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Doch die größte Krise steht uns noch bevor…

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Quelle: Adveniat/Tina Umlauf: https://www.blickpunkt-lateinamerika.de/artikel/bolsonaro-legt-axt-an-amazonas-fonds/

Der Diskurs um die Covid – 19 Pandemie in sozialen Medien und öffentlichen Nachrichten ist so dominant, dass von dem einst aufstrebendem Klimathema nur noch wenig die Rede ist. Renommierte Forscher*innen und Umweltpsycholog*innen, wie Prof. Dr. Gerhard Reese begründen dies mit der unterschiedlichen Nahbarkeit der Krisenerfahrung. Während sich Menschen den Gefahren der Corona-Pandemie stark bewusst sind, scheinen die bedrohlichen, ungewissen Auswirkungen der Erderwärmung noch die Probleme von morgen zu sein. Zumindest in der westlichen Welt.

So war auch die Schreckensnachricht vom erneutem Abholzungshoch des Amazonas-Regenwaldes nur eine Schlagzeile unter vielen.  Seit 12 Jahren war die Abholzung der „grünen Lunge unseres Planeten“ nicht mehr so gravierend wie dieses Jahr. Das berichteten die Satellitenbilder der brasilianischen Weltraumbehörde INPE. Obwohl 2019 schon ein „Rekordjahr“ für die Abholzung mit +34% war, erreichte sie 2020 abermals einen Anstieg von 9,5%. Das entspricht mit 11.08515 km² etwa 25 Mal der Fläche von Wien.

Quelle: https://earth.org/deforestation-surges-in-amazon-as-brazil-fights-covid-19/

Im Jahr 2018, vor Jair Bolsonaros Inauguration, waren es noch 7.536 km². Innerhalb von zwei Jahren ist die Abholzung des Regenwaldes um das eineinhalb-fache gestiegen. Ein verhältnismäßig kurzer Zeitraum für so einen dramatischen Anstieg. Die Strategie des amtierenden Präsidenten „die Wirtschaftlichkeit des Regenwaldes zu steigern“ scheint aufgegangen zu sein, zum Preis der gesamten Menschheit. Bolsonaro beansprucht den Regenwald für die weiße brasilianische Mittel- und Oberschicht, die Europäer und Amerikaner hätten, laut ihm, ihr eigenes Ökosystem zerstört (womit er nicht im Unrecht liegt) und sollten sich nicht einmischen.

Quelle: https://www.permaculturenews.org/2013/01/09/chinas-rising-soybean-consumption-reshaping-western-agriculture/

Landwirtschaftliche Großkonzerne verbrennen weite Teile des Tropenwaldes, um Platz für Meere an Soja-Monokulturen und Weidefläche für Rindvieh zu schaffen. Das Holz wird oft nicht einmal verwertet. Der Anbau dieser Produkte ist zu einen großen Teil für den Export bestimmt. Soja als Nahrungsmittel für Nutztiere weltweit und Rindvieh als Befriedigung eines imperialen Lebensstandards. Wenn Bolsonaro darüber erzürnt, dass die westliche Welt mit ausgestrecktem Finger auf Brasilien zeigt, sollten wir auch über das globale Konsummodell nachdenken. In diesem Punkt bewährt sich ausnahmsweise das neoklassische Wirtschaftsmodell, welches seit dem 19. Jahrhundert predigt: keine Nachfrage – kein Angebot.

Nichtsdestotrotz bleibt die Härte Bolsonaros Politik gegenüber der indigenen Völker Amazoniens und der Verantwortungslosigkeit in Bezug auf den Raubbau der Natur erschütternd. Das deutsche Wissenschaftsmagazin Spektrum berichtet, dass der Amazonas Regenwald bald seinen Kipp-Punkt erreichen könnten. Der Temperaturanstieg von 0.5 Gradpunkten Celsius des letzten Jahrhunderts in der Region und die Vernichtung von über 19% des allein brasilianischen Anteils, können in absehbarer Zukunft irreversible Schäden anrichten. So könnten sich große Teile des Tropenwaldes, welcher einer der wichtigsten „CO2-Absauger“ des Planeten ist, in Wüste verwandeln und für immer unfruchtbar bleiben.

Wenn dieses Szenario eintritt, ist es dramatisch. Sowie die Politik mit allen Mitteln und dem Motto „koste es was es wolle“ den exponentiellen Anstieg der Corona – Fallzahlen verhindert, sollte sie auch den Klimawandel behandeln. Gegen den Klimawandel und die bevorstehenden Umweltkatastrophen gibt es keine Impfung. Jeder untätige Tag lässt die Steigungskurve der Temperaturerwärmung stärker ansteigen. Die Klimakrise darf unter der Coronakrise nicht untergehen.

Quelle: https://www.law.nyu.edu/centers/state-impact/press-publications/expert-commentary/flatten-climate-curve

By Isabella Pfoser

Quellen:

https://fudder.de/warum-menschen-die-corona-krise-ernster-nehmen-als-die-klimakrise–184738683.html

https://orf.at/stories/3191894/

https://www.bbc.co.uk/newsround/50471484

http://www.nytimes.com/2020/11/30/world/americas/brazil-amazon-rainforest-deforestation.html

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