oikos Vienna

students for sustainable economics and management

Lokale Klimawandelanpassung und Nachhaltigkeit in der Stadtentwicklung – 18. oikos Talk mit Carina Obererlacher

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Am 4. April fand der 18. oikos Talk statt und es wurde das Gespräch im Freien vor dem WU Library Café an einem der ersten warmen Tage im Jahr mit Frau Obererlacher von der Wien 3420 aspern development AG geführt. Wir danken an dieser Stelle ganz herzlich für Ihr Erscheinen! Die Wien 3420 AG ist eine ppp (public private partnership) und ist für die Entwicklung der Seestadt zuständig. Frau Obererlacher ist Projektmanagerin für Städtebau & Planung und beschäftigt sich dort neben der Zwischennutzung von öffentlichen Räumen auch mit lokaler Klimawandelanpassung und mikroklimatischen Problemzonen in urbanen Räumen.

In Ihrem Alltag ist Sie viel und abwechslungsreich mit Projektpartnern unterwegs, meistens zu den Themen Mikroklima oder Flächennutzung bzw. Zwischennutzung. Die interdisziplinäre Natur der Stadtplanung in der Seestadt erlauben dabei einen Zugang zur Materie aus unterschiedlichsten Blickwinkeln.


oikostalkssoikos talks ist eine Veranstaltungsreihe, die im Dezember 2014 in die erste Runde ging. Jeden Monat werden interessante Persönlichkeiten mit Bezug zur Nachhaltigkeit in das Library Cafe an der WU eingeladen, um im gemütlichen Rahmen über ein Nachhaltigkeitsthema zu diskutieren. Das Ziel ist mit den eingeladenen Vortragenden in einer ungezwungenen Atmosphäre plaudern, hinterfragen und Erfahrungen austauschen zu können.


 

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18. oikos Talk mit Carina Oberlacher – Projektmanagerin bei Wien 3420 AG

 

Zwischennutzung 

Die Zwischennutzung von öffentlichen Räumen bzw. noch ungenutztem Bauland spielt in der Belebung, Aktivierung und Kultivierung eines Bezirks eine wichtige Rolle, denn Kunst und Kultur in einen neuen Stadtteil zu bringen ist keine einfach Aufgabe, selbst wenn demografisch betrachtet ein Großteil der Anrainer aus jungen Familien besteht. Über die letzten Jahre hinweg hat sich eine Entwicklung weg von eigenen Initiativen der Wien 3420 AG hin zu immer mehr Bürgerinitiativen und -anfragen vollzogen. Als Künstler ist es zum Beispiel möglich, unbebaute Flächen mit eigenem Projekt bis zu 5 Jahre zumeist „mietfrei“ zu nutzen. Dabei sollten aber die eigenen Kosten der Installation weitestgehend gedeckt sein, außerdem muss das Projekt organisatorisch und inhaltlich in den Rahmen der Seestadt passen – dies zu prüfen und zu beurteilen liegt in der Hand der Wien 3420 AG.

Mikroklima

Im Bereich Mikroklima ist Frau Obererlacher Teil eines Konsortiums, welches gegenwärtig eine Studie zum Thema lokale Klimawandelanpassung durchführt. Dabei werden für eine Anwendung in der Stadtentwicklung realistische Oberflächen & Materialien auf ihre Eigenschaften und ihre Auswirkungen auf das Mikroklima untersucht. In Wien ist das größte Problem in diesem Bereich die lokale Überhitzung in versiegelten städtischen Räumen.

Exakte Auswirkungen von Maßnahmen auf das Mikroklima oder Wechselwirkungen zum Makroklima werden derzeit nicht wirklich messen, so dass die MA die genauen Einflussmöglichkeiten nicht sehr genau einschätzen kann. Es gibt zwar Simulationsmodelle, die Evaluation steht dabei aber nicht im Vordergrund.

In der Seestadt wurden und werden Simulationen beispielsweise zu Wind und Windgeschwindigkeiten in der Planung genutzt. Als Datengrundlage dienen dabei zwischen 2009 und 2015 aufgenommene Daten.

Den gegenwärtigen Wissensstand zum Themenbereich gibt es bereits als „Empfehlungskatalog“ zur Information für Bauträger. Eine Verpflichtung in dieser Angelegenheit wäre zwar wünschenswert, ist aber aufgrund der branchenüblichen knappen Kalkulierung von Projekten schwer umzusetzen.

So stellen Begrünungen im ersten Schritt höhere Investitionen dar, zusätzliche Verantwortlichkeiten müssen verteilt werden (wer kümmert sich um die Fassade/das Dach?), und nicht jeder der Mieter ist bereit, für diese Planungsänderungen dann auch eine höhere Miete zu zahlen. Die langfristigen Einsparungen durch eine bessere Isolierung der Gebäude verliert so als Argument schnell an Gewicht.

Stadt Wien und Seestadt würden sich ebenfalls mehr Verpflichtungen wünschen. In einigen nordischen Städten gibt es beispielsweise bereits gewisse Projekte, in denen Bauträger durch Kennzahlen dazu verpflichtet werden, sich mit Begrünungsmaßnahmen und mikroklimatisch wirksamen Maßnahmen tatsächlich auseinanderzusetzen. So z.B. in einem Stadtentwicklungsgebiet in Malmö, in dem durch einen Begrünungsfaktor (z.B. 0,6) den Planenden genügend Freiraum gelassen wird, ob man die entsprechende Begrünung durch Dächer, mehr Freiräume oder Fassadenbegrünung erreicht.

Wichtig ist in diesem Bereich vor allem Bewusstseinsarbeit bei Bauträgern, die mit mehr Informationen wahrscheinlich die langfristigen Vorteile in grünerer Planung leichter erkennen können.

Generelle Stadplanung

In der Seestadt spielt auch die Mobilität eine große Rolle. So werden zum Beispiel bewusst weniger Parkplätze eingeplant, um das dabei freiwerdende Budget dann für Radwege und entsprechende Infrastruktur zu nutzen.

Die größte Herausforderung stellt in Aspern die Vielschichtigkeit der Planung dar. Mit vielen Stakeholdern, die unterschiedliche Sichtweisen und Interessen einbringen, wird die Komplexität schnell zum tragenden Faktor.

So kann es schnell passieren, dass Bauträger im langwierigen Prozess von der Planung (und Freigabe der Planung) bis zur Ausführung noch Dinge ändern oder ändern müssen. Dabei den Überblick zu behalten oder Veränderungen entgegen der übergeordneten Planung rechtzeitig zu erfassen kann relativ schwierig sein.

Als Fazit lässt sich festhalten: auch wenn Aspern noch lange nicht fertig ist, hat es – sofern die Prozesse vereinfacht und beschleunigt werden – das Potential, ein leuchtendes Beispiel der Stadtplanung zu werden!

 

Stay tuned – der nächste oikos talk wird vorraussichtlich im Mai stattfinden und es wird wieder über spannende Themen diskutiert!

 

Written by Fred.

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