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Energieeffizienz inmitten von Wirtschaft und Energiepolitik – 17.oikos Talk mit Gottfried Heneis

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„Energieeffizienz hat momentan einen niedrigen Stellenwert in der Wirtschaft“, so Mag. Gottfried Heneis, Geschäftsführer von Energy Changes. Am 31.1 fand der 17. oikos Talk statt und es wurde rund um das Thema „Erneuerbare Energieressourcen“ diskutiert.


oikostalkssoikos Talks ist eine Veranstaltungsreihe, die im Dezember 2014 in die erste Runde ging. Es werden regelmäßig interessante Persönlichkeiten mit Bezug zur Nachhaltigkeit zu einem Kamingespräch eingeladen, um im gemütlichen Rahmen über ein Nachhaltigkeitsthema zu diskutieren. Das Ziel ist mit den eingeladenen Vortragenden in einer ungezwungenen Atmosphäre plaudern, hinterfragen und Erfahrungen austauschen zu können


Screen Shot 2018-02-26 at 00.42.15Für den 17. oikos Talk besuchte uns Mag. Gottfried Heneis, der Geschäftführer von Energy Changes ist. Er hat an der WU studiert, hat danach lange bei Raiffeisen-Leasing gearbeitet und seit 2013 ist er beim Unternehmen Energy Changes. Das Tätigkeitsfeld von Energy Changes ist die weltweite Beratung der öffentlichen Hand, Investoren und Bauherren bei der Realisierung von Umweltprojekten. Der Fokus in Österreich liegt da vor allem bei Energieeffizienz in Gebäuden, Photovoltaik und Heizungsumstellung. Herr Mag. Heneis ist primär für das Inlandsgeschäft zuständig und sein Aufgabengebiet liegt somit im Förderungsmanagement und der Beratung von Gemeinden in Österreich. Außerdem ist unser Gast seit drei Jahren Geschäftsführer bei einer Crowdfunding-Gesellschaft mit den Plattformen „crowd4climate“, welche beispielsweise das Projekt „Solarcontainer für Mali“ erfolgreich finanziert hat, und „crowd4energy“ für Inlandsprojekte.

„Querdenken und provozieren“

Der Arbeitsalltag von Herrn Mag. Heneis ist sehr bunt. In seiner Funktion bei Energy Changes sind seine Projekte vor allem die Sanierung von Gebäuden (Prozessbegleitung inkl. Ausschreibungs- und Förderungsmanagement) Begrünung, Photovoltaik und Contracting. Einer seiner Aufgaben ist beispielsweise die Finanzen im Griff zu haben. Er schilderte diese als eine manchmal sehr langwierige Aufgabe, da man die Kollegen und Kunden drängen muss Rechnungen zu schreiben, was vor allem bei internationalen Projekten manchmal gar nicht so einfach ist. Außerdem kümmert er sich um das Akquirieren von neuen Kunden und Projekten. Herr Mag. Heneis erklärte, dass man sich manchmal eben auch dazu motivieren muss und am besten versucht sein Netzwerk zu nutzen. Allerdings muss man manchmal auch Kaltakquise „betreiben“, wobei er das nicht als seine Lieblingstätigkeit beschrieben hat. Zusammenfassend meinte er aber, dass das Akquirieren meistens sehr interessant ist, da man oft ein „Aha-Erlebnis“ hat: Man kommt mit einem Thema, welches man besprechen und darlegen möchte zu einem Termin mit einem potenziellen Kunden und kommt mit etwas ganz anderem wieder hinaus – das findet er persönlich sehr spannend.

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17. oikos Talk mit Herrn Mag. Gottfried Heneis von Energy Changes

„Energieeffizienz hat momentan einen niedrigen Stellenwert in der Wirtschaft“

Herr Mag. Heneis erklärte im 17. oikos Talk, dass das Thema Energieeffizienz einen sehr niedrigen Stellenwert in der Wirtschaft hat. Es ist – im Gegensatz zur Elektromobilität – kein Selbstläufer. Trotz CO2 Problem interessiert es schlichtweg einfach niemanden. Dass das Interesse bei der Mobilität und Elektroautos wesentlich höher ist liegt laut Gottfried Heneis an Autos generell, denn das Thema Auto erzeugt Neugier. Aus diesem Grund ist Elektromobilität wesentlich einfacher zu verkaufen, als Energieeffizienz. Dieses Desinteresse ist natürlich ein Problem. Der Pfad des Klimawandels ist vorgegeben, wenn sich nichts ändert – dann wird Skifahren in Österreich irgendwann nur noch ein Glücksfall werden oder nur noch über 2000m möglich sein. Herr Mag. Heneis möchte aber in die andere Richtung gehen und die Energieeffizienz fördern. Er legte uns das wirtschaftliche Problem dar warum noch nicht jedes Dach in Wien oder Österreich für Photovoltaik genutzt wird. Angefangen damit, dass es sich wirtschaftlich einfach nicht rentiert, die Manipulation der Anlage relativ schwer ist und es außerdem rechtliche Hindernisse (Elwog Gesetz) oftmals noch schwieriger machen, wenn es um die Installation und Kosten geht (Energieversorgerschutz). Um das zu verbildlichen, erklärte Herr Mag. Heneis, dass ein Eigentümer-Nutzer-Problem bestehe hinsichtlich der Kosten für Effizienzmaßnahmen: In Österreich muss der Eigentümer die Kosten tragen und kann sie nicht an die Nutzer weitergeben, obwohl der Nutzer eigentlich die Vorteile durch die Sanierung erhält. Als Notiz am Rande: In Deutschland geht diese Kostenübertragung.

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Herr Mag. Gottfried Heneis – Geschäftsführer von Energy Changes

„Wenn man Steuerersparnis hört, ist man schon eher bereit etwas zu machen“

In Österreich steht eine große Reform für das Ökostromgesetz an, jedoch wird das frühestens 2019 beschlossen. Passend dazu haben wir im oikos Talk verschiedene Ansätze, Anregungen und Wünsche zum Thema Steuerersparnis bei Energieeffizienz Projekten besprochen:

  • man sollte Sonderausgaben geltend machen können, wenn man ein Projekt energieeffizient umsetzt
  • man sollte als Unternehmer oder Vermieter vorzeitige Abschreibungen durchführen können
  • es sollte eine Investitionszuwachsprämie für Energieeffizienz geben
  • degressive Abschreibung sollte genutzt werden können (gibt es momentan in Österreich nicht wirklich)

Mit der Neustrukturierung der Ministerien ist ein kleines bisschen Hoffnung aufgekommen, dass sich doch etwas ändern könnte hinsichtlich Energieeffizienz und auch allgemein gegenüber dem Thema Umwelt & Klimawandel – die Hoffnung besteht, dass sich Österreich vom Stillstand wegbewegt. Wir haben mit Herrn Mag. Heneis diskutiert was in der Politik verändert werden muss um Energieeffizienz innerhalb von Österreich mehr zu fördern. Maßnahmen die politisch gesetzt werden müssten:

  • Hindernisse, welche die Potenzialausschöpfung verhindern, müssen aus dem Weg geräumt werden
  • Es müssen Anreizsysteme geschaffen werden, sodass mehr Energieeffizienz umgesetzt werden möchte und auch Regularien erstellen, sodass es auch gemacht werden muss
    („steuerlicher Anreiz mit Zwangssystem“)
  • Glasfaserkabeln müssen auch bis ins letzte Dorf gebracht werden. Damit würde auch der Individualverkehr deutlich reduziert werden, da dann viele Leute von zu Hause aus arbeiten könnten (Österreich macht in dieser Hinsicht schon relativ viel im Vergleich zum Nachbarn Deutschland)
  • Beispiel „Watermining“ für Kryptowährungen – die Politik ist in der Hinsicht total hilflos – durch diese Speicherung auf diversen Servern wird aber extrem viel Energie verbraucht. Darum müssen auch hinsichtlich Digitalisierung einige Maßnahmen, von politischer Seite, getroffen werden.

Wir haben auch über das Thema nachhaltige Stadt mit Herrn Mag. Heneis gesprochen und darüber spekuliert was in Zukunft in diese Richtung noch passieren wird. Herr Mag. Heneis hat uns fünf Dinge genannt die seiner Meinung nach im Bereich des Möglichen sind:

  • Autos werden noch mehr verbannt werden – der Individualverkehr wird in Städten immer mehr zurückgedrängt werden (vor allem durch Carsharing, Öffentliche Verkehrsmittel und Radfahren)
  • Sobald sich selbstfahrende Autos in den Lebensalltag integriert haben und kaum noch Mischverkehr vorherrscht, wird es auch weitaus weniger Staus geben
  • Die Digitalisierung wird in den nächsten 10 Jahren viel verändern – unser Alltag wird sich komplett auf den Kopf stellen
  • Die Begrünung von Städten wird wesentlich mehr werden
  • Es wird Photovoltaik auf jedem möglichen Dach geben und auch dezentrales Steuern von Strom wird vorherrschen

Als „Insider“ erzählte Herr Mag. Heneis, dass Wien schon seit 10 Jahren sehr viel in Richtung nachhaltige Stadt macht. Außerdem macht Graz momentan sehr viel, weil die Stadt kaum Wind hat und deswegen ein großes Problem mit der Feinstaubbelastung hat.

Abschließend wies Mag. Heneis uns darauf hin welche zwei Themen aus seiner Sicht die Zukunft ausmachen werden: Klimawandel und Digitalisierung.

Empfehlungen von Mag. Gottfried Heneis:

 

Wir möchten uns herzlichst bei Herrn Mag. Heneis für den sehr informativen und netten 17. oikos Talk bedanken!

Stay tuned – der nächste oikos talk wird im März stattfinden und es wird wieder über spannende Themen diskutiert!

Written by Katharina

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