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Geschlechterspaltung im Wandel zur Industrialisierung. Ein Gespräch mit Wissenschaftlerin Mag. Dr. Karin Schönpflug.

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„Man ist nicht als Frau geboren, man wird es.“, so die Philosophin und Frauenrechtlerin Simone de Beauvouir. Jeden Monat beschäftigen sich zehn StudentInnen im Rahmen des Change Maker Programms von oikos Vienna intensiv mit einem Thema aus dem Bereich der nachhaltigen Wirtschaft. Diesen Monat hat sich die Gruppe der feministischen Ökonomie gewidmet. Frau Mag. Dr. Karin Schönpflug erforscht und lehrt dieses Thema am IHS (Institut für Höhere Studien) und an der Uni Wien. Vergangenen Donnerstag hat sie sich mit dem Change Maker Team getroffen und die Entwicklung der Geschlechterspaltung und die Bedeutung des oben genannten Zitats näher erläutert.

Es ist offensichtlich, dass es in unserer Gesellschaft ein stark geprägtes Rollenbild gibt. Während die „ideale Frau“ langes Haar hat, naiv und fürsorglich ist, soll der „ideale Mann“ muskulös, aktiv und mutig sein. Doch, wie ist es zu diesen unterschiedlichen Geschlechterrollen gekommen? Bis ins späte Mittelalter war die Vorstellung herrschend, Frauen und Männer hätten ein Geschlecht. Beim Mann sei es nach außen, bei der Frau nach innen gestülpt. Frau Schönpflugs Theorie, wie es zu dieser ausgeprägten Geschlechtertrennung kam, basiert auf dem (sehr empfehlenswerten) Buch „Caliban und die Hexe“ von Silvia Federici.

Vor Beginn der Industrialisierung gab es drei Rollen in unserer Gesellschaft: Die Kirche, die Landbesitzer und die Bauern und Bäuerinnen. Danach, kamen zwei zusätzliche Rollen hinzu: Die Fabrikbesitzer und die Arbeiter. Für die boomende Wollproduktion Ende des 18. Jahrhunderts wurden unzählige Schafe in Groß Britannien gezüchtet. Die Schafe brauchten Platz. Zu diesem Zweck vertrieben die Firmenbesitzer das Proletariat von den Weiden. Um die Wiesen wurden meterlange Zäune gespannt. Die neu gewonnene Fläche erklärten die Fabrikbesitzer zu ihrem Eigentum. Währenddessen fanden die Bauern und Bäuerinnen Zuflucht in den Städten. Das traf sich gut. Es gab einen hohen Bedarf an Arbeitskräften zum Betrieb der Spinn- und Webmaschinen.

Arbeiten sollten lediglich Männer. Frauen zahlte man einen Lohn, der 40% unter demjenigen der Männer lag um ihnen die Arbeit unattraktiv zu machen (kommt uns bekannt vor…?). Während Frauen also zu Hause blieben, gingen die Männer in die Fabriken. Den Fabrikbesitzern ist eine Spaltung zwischen Mann und Frau gelungen. Während beide Geschlechter zuvor noch als Einheit gegen die Vertreibung von den Weiden protestiert hatten, führten diese nun ein getrenntes Leben mit unterschiedlichem Status. Die Männer fanden sich mit der neuen Arbeit und dem guten Gehalt ab, die Frauen bleibt kein großer Entscheidungsraum über.

Zur selben Zeit stellten die Vertragstheoretiker Thomas Hobbes und John Locke ein neues Weltbild auf. Ihre Überlegungen lauteten im Groben wie folgt: „Wer kann Eigentum besitzen? Eigentum besitzen kann der, der sich selbst besitzen kann. Wer kann sich selbst besitzen? Sich selbst besitzen kann, wer rational denken kann.“ Spinnt man diese Gedanken weiter, führt dies zu folgender Auffassung. „Rational denken kann, was kein Teil der Natur ist. Frauen aber ähneln mit ihrer monatlichen Periode und Gebärfähigkeit der Natur. Sie sind: Hysterisch, unberechenbar, irrational und demnach Eigentum des Mannes.“

Diese Theorie degradierte nicht nur Frauen zu einem Objekt. Es entwertete zum selben Maße dunkelhäutige Menschen und sollte den brutalen Vorgang der Kolonialmächte rechtfertigen. Aber auch Tiere, Pflanzen und alle Rohstoffe der Erde seien nach Hobbes‘ und Lockes‘ Ansicht lediglich dazu da, um den rationale denkenden Menschen der Erde – insbesondere den weißen und männlichen – zu dienen. Betrachtet man das Zeitalter der Aufklärung von dieser Perspektive, scheint diese doch nicht so progressiv gewesen zu sein.

Welche Rolle übernimmt der Feminismus zur Bekämpfung dieser tief verwurzelten Ansicht? Und nein: Feminismus bedeutet nicht Gruppen von Männer-hassenden, protestierenden und Oberteil-losen Frauen zu formen. „Feminismus ist viel mehr als das. Feminismus bedeutet Gleichheit und Gerechtigkeit für alle. Für Frauen und für Männer. Für Flüchtlinge und andere Randgruppen. Für Tiere und für Pflanzen. Eigentlich ist „Feminismus“ kein geeigneter Begriff mehr nachdem er von den Medien in alle Richtungen gezerrt worden ist und zum Teil eine negative Konnotation aufgenommen hat. Wir bräuchten einen neuen, klaren Begriff.“, so Schönpflug.

Changemaker

Mitglieder des Change Maker Programms von oikos Vienna

Feminismus ist also der Kampf gegen die These, dass rational denkende (bzw. überlegene und reiche) Menschen das Recht hätten, Objekte ohne Scham und Skrupel zu ihrem Eigentum zu machen. Bereits der Philosoph Jean-Jaques Rousseau erkannte die Gefahr der Industrialisierung und der sich aufmachenden Gier nach Besitz: „Das Entstehen des Eigentums spaltet die Menschheit in Klassen. Das Eigentum offenbart sich als die Ursache des gesamten gesellschaftlichen Unglücks.“ Es ist an der Zeit sich bewusst zu werden, dass jedes Lebewesen mit den gleichen Rechten geboren wird und dieses Recht durch niemanden geschwächt werden darf.

Written by Monika

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