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SDG 14: Life below Water – Für Meer Nachhaltigkeit

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Der gigantische weiße Wal hebt seinen massigen Körper aus der aufgewühlten See, wie eine Naturgewalt stürzt er herab auf das winzig wirkende Fischerboot. Moby Dick verkörpert noch das Bild des übermächtigen, geheimnisvollen Ozeans, als der Mensch unter Einsatz seines Lebens die Ressource Meer zu nutzen versuchte. Heute würde sich der Wal an den schwimmenden Fischfabriken wohl nur selbst eine Beule zuziehen. Denn der Mensch hat das Meer zu seinem Reich gemacht, seinem Nahrungs- und Rohstofflieferanten, seinem bevorzugten Handelsweg, zugleich auch zu seiner Müllhalde.

Allein um auf der Erde existieren zu können, benötigt der Mensch die Ozeane. Einer der Gründe dafür ist der Kohlenstoffdioxid Kreislauf zwischen Atmosphäre und Wasser, wobei die Meere knapp 30% des von Menschen produzierten CO² aufnehmen. Steigt allerdings die ausgestoßene Menge an CO², wird das Wasser sauer, das United Nations Development Program spricht von einem Säureanstieg von 26% seit Beginn der industriellen Revolution. Gleichzeitig steigt die Wassertemperatur, lebenswichtige Strömungen wie der Golfstrom drohen zu versiegen – kurz: die Meere sind einem Wandel unterworfen, der extreme Auswirkungen auf das Leben unter Wasser und an Land hat und weiterhin haben wird.

Laut dem UNDP sind heute knapp 3 Milliarden Menschen von den Meeresressourcen und der maritimen Biodiversität abhängig, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Pro Jahr werden knapp 80 Millionen Tonnen Fisch mit einem Wert von 115 Milliarden US-Dollar aus dem Meer geholt, damit hat sich der weltweite Konsum von Fisch seit den 50er Jahren vervierfacht und liegt damit 2-3 Mal über dem Wert, den die Meere langfristig überhaupt unterstützen können. Besonders Länder des Globalen Südens sind jedoch abhängig von der Fischerei, über 50% der Weltfischexporte stammen aus dieser Region. Zugleich bildet Fisch besonders für die Länder des Globalen Südens die wichtigste Eiweißquelle, Angaben der Food and Agriculture Organisation zufolge ist die Ernährung von knapp einer Milliarde Menschen zu einem hohen Grad von Fisch abhängig. Da viele Gebiete im Norden bereits seit Jahrzehnten überfischt sind, wandte sich die Fischerei den südlicheren Beständen zu, mittlerweile gelten beinahe 30% der weltweiten Fischbestände als entweder zusammengebrochen oder überfischt – Mitte der 70er waren es 10%. Immer mehr Arten verschwinden oder werden verdrängt, Riffe veralgen und brechen zusammen, Umweltkatastrophen schaffen regelrechte Todeszonen wie im Golf von Mexico.

Nachhaltigkeit ist daher keine Frage von Moral oder Gewissen, in vielen Regionen ist sie eine schlichte Frage des Überlebens.

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Der Globale Süden stellt nach Angaben des WWF 97% der Arbeitskräfte im Bereich Fischerei, viele Nationen leben zu einem überragenden Anteil vom Fischfang: in Madagaskar oder Ozeanien bestreiten 80-90% der Menschen im Erwachsenenalter ihren Lebensunterhalt in der Fischerei. Dabei sind jedoch häufig die Politiken der jeweiligen Regierungen existenzbedrohend für die, in der überragenden Mehrheit von der Kleinfischerei abhängige, Bevölkerung. So unterzeichnete der Senegal beispielsweise Ende der 70er Jahre ein Abkommen mit der EU, das die Fischerei bis zu einer bestimmten Menge in senegalesischen Gewässern erlaubte. Die Mengenbeschränkungen jedoch oftmals ignorierend, betreiben die Fangflotten häufig Raubfischerei, die Erträge der lokalen Fischer schrumpfen.

Dies führt vermehrt dazu, dass sich Fischer den selbst gefangenen Fisch nicht mehr leisten können. Dieser wird stattdessen besonders in den Globalen Norden exportiert, während subventionierter Gefrierfisch von geringer Qualität importiert werden muss, um die Fischer zu ernähren.

Auch die Verschmutzung der Meere stellt eine enorme Bedrohung dar, sowohl für das Leben unter Wasser als auch an Land. Statistisch gesehen treiben pro Quadratkilometer Ozean 13.000 Plastikabfälle im Wasser, im Magen mindestens jeder zweiten Meeresschildkröte findet sich Plastikmüll. Wie kann es sein, dass sich scheinbar jeder aus den Ozeanen bedienen und diese zugleich als bequeme Müllhalde nutzen kann?

Das Meer gehört niemandem – und somit jedem. Von den Küstengebieten einmal abgesehen zählt das Meer zu den sogenannten Allmendegütern, die der Allgemeinheit zugänglich, jedoch nur begrenzt nutzbar sind, wodurch es zu einem Wettrennen beim Abbau der Ressourcen kommt. „Ocean Governance“, die politische Regulierung der Ozeane also, hat es dadurch besonders schwer.

International werden Rahmenbedingungen für die Nachhaltigkeit der Meere nur langsam und schwerfällig – wenn überhaupt- geschaffen. Regional dagegen müssen die Fischer schon jetzt handeln, bevor ihnen endgültig die Existenz entzogen wird. Aquakulturen scheinen dabei zunächst eine willkommene Alternative, um den schwindenden Fischgründen bei erhöhter Nachfrage gerecht zu werden. Tatsächlich stellen auch diese keine adäquate Lösung im Sinne der Nachhaltigkeit dar: um Platz für Shrimp-Farmen zu machen, wurden beispielsweise in Ecuador über 100.000 ha Mangrovenwälder abgeholzt. Zugleich wird das Wasser durch den erhöhten Bedarf an Chemikalien verseucht, durch die Zugabe von Nährstoffen wird das Algenwachstum begünstigt und Krankheiten sowie Antibiotika stellen eine Gefahr für Wildfisch und sonstige Meeresbewohner dar.

Zum einen sind natürlich Schutzzonen wie die Marine Protected Areas ein wichtiger Bestandteil der Bewahrung der Meere. Diese sind nicht zwangsläufig als nicht zur Nutzung freigegebene Gebiete zu verstehen, sondern unterliegen oft spezifischen Auflagen. So können sie z.B. dazu dienen, dass sich bestimmte Fischbestände erholen können oder aber ein besonders empfindlicher Meeresboden soll vor Schleppnetzen geschützt werden. Derzeit gehören allerdings erst etwa 3-4% der gesamten Meeresfläche den Protected Areas an, auf hoher See ist es sogar nur 1%. Wie kann also nachhaltig mit dem Meer umgegangen werden?

Bisher funktioniert dies besonders im Kleinen. In der Bucht von Manila beispielsweise sollen Mangrovenwälder durch Aufforstung wiederbelebt und Schutzzonen für Fische und Schildkröten eingerichtet werden, zugleich soll das Konzept des Integrierten Küstenzonenmanagments die ökonomische aber auch ökologische Zukunft der Bucht sichern.

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Als Verbraucher muss ich mich zwar durch einige Siegel wühlen, kann jedoch auch darauf achten, woher zum Beispiel mein Fisch kommt. Solche Siegel geben mittlerweile häufig sogar Auskunft darüber, wo und wie der Fisch gefangen wurde. MSC und ASC sind dabei die bekanntesten Gütesiegel. Die Marke Followfish setzt sich zum Beispiel durch Tracking Codes für mehr Transparenz und Nachhaltigkeit bei ihren Produkten ein.

 

by Lilian

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