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„Die Zukunft Europas“ – Das war der 4. WU-Nachhaltigkeitstag

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Am 3. April fand der 4. WU Nachhaltigkeitstag zum Thema „Die Zukunft Europas“ statt. Auch heuer wurde dieser gemeinsam vom Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit, oikos Vienna und der ÖH WU veranstaltet. Es wurde ein spannendes Programm mit hochkarätigen Vortragenden, einer Keynote zur „Republik Europa“ und anschließender Podiumsdiskussion geboten.

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Was hat die Zukunft Europas mit Nachhaltigkeit zu tun?

In diesen Zeiten sind grundsätzliche Themen wie Populismus, Demokratie, Digitalisierung so wichtig, dass man Nachhaltigkeit nicht isoliert davon betrachten kann. Momentan scheint es, als wären das Projekt gemeinsames Europa und die damit zusammenhängende Werte unter Druck. Wenn man an Nachhaltigkeit interessiert ist, muss man diese Dinge diskutieren und sich fragen „Was ist die Zukunft Europas?“.

An einem sonnigen Montag Nachmittag startete der vierte WU Nachhaltigkeitstag. Nach einem Eröffnungsvideo einer kurzen Begrüßung von Lukas Fanninger (ÖH WU), Julia Schwarzbauer (oikos Vienna) und Fred Luks (Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit) ging es gleich mit einem Highlight los. Ein Teil des kulturellen Rahmenprogramms war ein Poetry Slam mit Yasmin Hafedh, Simon Tomaz und Mieze Medusa. Die Ikonen der Wiener Poetry Slam-Szene rezitierten Gedichte über Herkunft, die Finanzkriese und Wirtschaftsplanung. Pointiert, Sarkastisch und mit ganz viel Humor – davon war auch das Publikum begeistert. (zum Poetry Slam Video)

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Nach diesem tollen Einstieg ging es weiter mit einem Vortrag von Prof. Jesus Crespo Cuaresma zum Thema „Education Inequality and the Future of Economic Growth in Europe“. Interessant hat er die Zusammenhänge von Bildung, Einkommen und Wirtschaftswachstum in den europäischen Staaten erklärt. Oft scheint es schwierig bei Forschungen und Vergleichen zu diesem Thema passende Modelle auszuwählen, diese Problematik hat Prof. Crespo Cuaresma mit einem humorvollen Vergleich – Model uncertainty and David Bowie – dargestellt.

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Im zweiten Vortrag wurde die Geschichte Europas behandelt. Dr. Johannes Koll fasste überschaubar die Zeit zwischen Aufstieg des Nationalsozialismus und der Gegenwart dar. Angefangen bei der geschichtlichen Entwicklung der Hochschule für für Welthandel, wie die WU damals hieß, über die europäische Integration, bis hin zur Gründung und Entwicklung der EU.

Zum Schluss teilte Dr. Koll seine Thesen zur Europäischen Union:

  • Die Europäische Integration ist ohne historischen Hintergrund nicht zu verstehen
  • Sie ist nach wie vor ein offenes Projekt
  • Stagnation schließt Weiterentwicklung nicht aus
  • Die EU kann nur überleben, wenn sie sich den Werten verpflichtet fühlt, die sie vor dem Hintergrund der Katastrophen des 20. Jahrhunderts entwickelt hat

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Das Nachmittagsprogramm wurde mit einem Vortrag von Prof. Christian Bellak und Lukas Stifter zum Thema Freihandelsabkommen, genauer gesagt Investitionsschutz in europäischen Freihandelsabkommen, abgeschlossen. Investiotionsschutz ist bei derartigen Abkommen ein wichtiger Punkt und es muss ein Weg, zwischen Freihandelsdogma und Protektionismus, gefunden werden. Dies ist aber nicht immer, wie bei den jüngsten Freihandelsabkommen, eine einfache Angelegenheit. Nachdem die Vortragenden abwechselnd dem Publikum Input lieferten, startete die interaktive Diskussion bei der auch die volle Zeit genutzt wurde um kritische Punkte zu besprechen.

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Das Abendprogramm fand im Festsaal statt und der Höhepunkt war dabei die Keynote von Dr. Ulrike Guerot, vom Department für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems.

„Es sei gesagt, dass ein gemeinsames Europa nicht ohne deren Bürgerinnen und Bürger entstehen kann. Ein gemeinsames Europa muss aus der Zivilgesellschaft erwachsen!“ Zitat Julia Schwarzbauer

Die Keynote von Dr. Ulrike Guerot stand unter dem kontroversen Thema „Warum Europa eine Republik werden muss“.

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Seit Platon ist der Begriff „Republik“ eigentlich der originärste Begriff, wenn man eine politische Einheit gründen möchte und das ist auch das Ziel – Europa als eine Einheit. Dies beutet nicht die Vereinten Nationen von Europa oder eine Föderation zu gründen, es muss sich nur auf ein gleiches Recht für alle geeinigt werden.

Wie zuletzt beim Brexit gesehen, kommt es vermehrt vor, dass die nationalen Interessen gestärkt und die europäischen missachtet werden. Aus diesem Grund hat Frau Guerot versucht die EU zu dekonstruieren um Europa zu retten. Als Anlass nennt sie auch das Konstrukt der EU, das völlig rechtmäßig, also legal ist, jedoch nicht legitim ist. Es ist nicht möglich auf europäischer Ebene eine Form von Demokratie zu schaffen, die auf nationaler Ebene als intuitiv und notwendig erachtet wird, so Guerot.

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Ulrike Guerot plädiert für eine gemeinsame Fiskal- und Sozialpolitik, in weiterer Folge eine Aufhebung der nationalen Grenzen mit Einteilung in Kulturregionen und einer neuen Konzeption der europäischen Regierung.

Im Anschluss diskutierte Ulrike Guerot am Podium mit Staatsekretär Harald Mahrer, Hanna Simons (Greenpeace Österereich), Patricia Klopf (WU-Institute for International Business) und mit Parham Allboje (oikos Vienna Mitglied und WU-Student).

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Nach der Podiumsdiskussion war der Nachhaltigkeitstag jedoch noch nicht ganz vorbei, denn es folgte noch ein Punkkonzert mit der Band von Prof. Crespo Cuaresma im Replugged. Ein wirklich außergewöhnlicher Abschluss für den 4. WU Nachhaltigkeitstag mit Songs wie z.B. „The Socio-Ecological Transition Blues“.

Es war eine gelungene Veranstaltung und wir freuen uns auf nächstes Jahr!

(Im Video ab 1:42:15 – Man kann ein Abendessen inkl. Weinbegleitung mit Harald Mahrer und Fred Luks gewinnen. Um mitzumachen muss man das Buch „Homo Deus“ von Yuval Noah Harari lesen und bis 30. Juni eine kurze Buchkritik an Harald Mahrer schicken.)

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