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SDG 10: Reduced Inequalities

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„Reduce inequality within and among countries“. Das ist das 10. Sustainable Development Goal der Vereinten Nationen, welches darauf abzielt Ungleichheiten innerhalb und zwischen Ländern zu reduzieren und ein Klima der Gleichberechtigung zwischen Menschen in all ihrer Diversität wie Alter, Geschlecht, Behinderung, Hautfarbe, Religion und ökonomische Möglichkeiten1 zu schaffen.

„Alle Staatsbürger sind vor dem Gesetz gleich. Vorrechte der Geburt, des Geschlechtes, des Standes, der Klasse und des Bekenntnisses sind ausgeschlossen.“ So hält es der Artikel 7 der Österreichischen Bundesverfassung2. Doch was sich auf dem Papier schön anhört und hinsichtlich des Rechtssystem wahr sein mag, ist leider in der gesellschaftlichen Umsetzung noch lange nicht erreicht.

Trotz rechtlicher Gleichstellung steht ein sozial schwächerer Familienhintergrund auch im Jahr 2016 in engem Zusammenhang mit sozialer Ungerechtigkeit und sozialer Mobilität.

Soziale Mobilität bezeichnet die Bewegung zwischen verschiedenen Positionen gesellschaftlicher Schichten3. Die am häufigsten betrachteten Arten sozialer Mobilität sind Intergenerationenmobilität und vertikale Mobilität. Erstere bezeichnet, ob eine Person eine andere gesellschaftliche Schicht erreicht als ihre Eltern und letztere kennzeichnet, ob eine Person innerhalb ihres Lebens in eine höhere oder niedrigere gesellschaftliche Schicht auf- bzw. absteigt. Im Sinne der Vollständigkeit beschreibt horizontale Mobilität das Wandern zwischen verschiedenen Berufen einer sozio-ökonomischen Position, beispielsweise ein Berufswechsel von Krankenschwester zu Lehrerin.

Auch heute noch beeinflusst die sozio-ökonomische Position der Eltern maßgeblich das Leben der Kinder. Nach Statistik Austria4 beeinflusst der Bildungsstand der Eltern in hohem Maße den Bildungsstand der Kinder und somit auch das spätere Einkommen. So besuchen 39% der nicht-armutsgefährdeten Kinder, aber lediglich 29% der armutsgefährdeten Kinder eine AHS4.

Kinder werden so gesehen in einen Kreislauf sozio-ökonomischer Schwierigkeiten hineingeboren, welcher jedoch schon vor der Geburt beginnen. So nehmen generell in Deutschland 10% der Frauen nicht regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen innerhalb der Schwangerschaft in Anspruch5. Gründe für die Nichtinanspruchnahme sind häufig jedoch mit persönlichen Hürden wie psychische Belastung, mangels Betreuungsmöglichkeit die Notwendigkeit, andere kleine Kinder zu versorgen oder aber auch eine ambivalente Einstellung zur Schwangerschaft verbunden. Alles Faktoren, welche mit niedrigem SÖS (sozio-ökonomischer Status) einhergeht. Dies ebnet den Weg für Mangelernährung, aber auch für Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen. Ebenso erhalten Eltern aus sozio-ökonomisch schwächeren Familien häufig weniger Elterntrainings als Eltern mit stärkerem monetären Hintergrund5.

Nach der Geburt kommt hinzu, dass Kinder aus sozial schwächeren Familien häufig Rückstände hinsichtlich Wortschatz, Lese-, Schreib- und Rechenkompetenz im Vergleich zu ihren Mitschülern aus privilegierteren Familien. So wird durchschnittlich Kindern vom 1. – 5. Lebensjahr aus Familien mit mittlerem SÖS 1000 Stunden, Kindern aus Haushalten mit niedrigem SÖS lediglich insgesamt 25 Stunden von ihren Eltern vorgelesen5.

© Augsburger Allgemeine

© Augsburger Allgemeine

Im späteren Leben kommen oft aufgrund von Stereotypen akademische Benachteiligungen  hinzu, sodass sich häufig eine niedrige akademische Selbstwirksamkeit ausbildet, welche wie beschrieben darin mündet, dass lediglich 24% der Kinder aus sozio-ökonomisch schwächeren Familien eine AHS besuchen im Vergleich zu 39% der Kinder aus besser gestellten Familien. Aus einer Studie aus dem Jahr 20136 geht ebenso hervor, dass nur 6% der Kinder, deren Eltern maximal einen Pflichtschulabschluss haben, einen Universitätsabschluss anstreben, wohingegen satte 54% der Kinder, deren Eltern einen Universitätsabschluss haben, eine Universität besuchen.

Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Doch was kann man tun?

Eine technisch gesehen simple Idee ist die Verbesserung und Steigerung der Verfügbarkeit von Kindergärten und Kindertagesstätten. Frühkindliche Bildung bildet das Fundament der Bildungskarriere und wird darin oft unterschätzt. Durch eine Förderung von Kindergärten erzielt man nicht nur, dass mehr Kinder besser in jungem Alter gefördert werden können, ebenso schafft man auch für beide Eltern aus einkommensschwachen Familien beziehungsweise für Alleinerziehende die Möglichkeit einen Beruf auszuüben, denn private Betreuungsangebote sind teuer. Mit einem verbesserten Betreuungsangebot schafft man langfristig die Möglichkeit für Personen ihren eigenen sozio-ökonomischen Status zu beeinflussen.

Ebenso kann man sich freiwillig als Lesepate/in oder als Ehrenamtliche/r beispielsweise bei InteGREAT engagieren.

Written by Laura

 

Quellen:

  1. http://www.un.org/sustainabledevelopment/inequality/
  2. https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10000138
  3. http://www.spektrum.de/lexikon/geographie/soziale-mobilitaet/7378
  4. Statistik Austria. EU-SILC 2011
  5. Berk, L.E. (2011). Entwicklungspsychologie (5. Auflage). München: Pearson.
  6. Altzinger, W., Lamein, N., Rumplmaier, B., & Schneebaum, A. (2013) Intergenerationelle soziale Mobilität in Österreich. Statistische Nachrichten 68(1), p. 48-62.
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