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Bildungssystem für die Jobs der Zukunft – Whitepaper des WEF

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Werden Kinder ausreichend auf die zukünftige Arbeitswelt vorbereitet? Wenn es nach einem neuen Report geht, muss diese Frage verneint werden.

Die weltweiten Bildungssysteme versagen bei der Ausbildung unserer Kinder indem sie diese nicht auf die Arbeitsplätze der Zukunft vorbereiten. Das ist zumindest eine der Hauptaussagen eines neuen Whitepapers des Weltwirtschaftsforums (Realizing Human Potential in the Fourth Industrial Revolution), es werden aber auch konkrete Verbesserungsmaßnahmen vorgeschlagen.

© mrpetersononline via Visualhunt.com / CC BY

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Neue Technologien und Globalisierung werden Geschäftsmodelle in allen Sektoren und Regionen weiter verändern und dabei neue Arbeitsplätze schaffen, aber auch viele derzeitige Arbeitsplätze obsolet machen. Leider können die unflexiblen, unterfinanzierten Bildungs- und Schulungssysteme mit diesen Trends nicht mithalten. In Folge haben ⅔ der Schüler die heute in die Grundschule einsteigen, nach ihrer Mindestausbildung nicht die nötigen Fähigkeiten um einen Job zu finden. Annahmen zufolge werden diese Auswirkungen die wirtschaftlichen Chancen der Frauen noch stärker beeinträchtigen als die der Männer.


Der Bericht wurde von Führungskräften, politischen EntscheidungsträgerInnen,  Gewerkschaften, Bildungseinrichtungen und AkademikerInnen zusammengestellt und rät sowohl Regierungen, als auch dem Privatsektor verstärkt zur Zusammenarbeit. Nur so können Kinder besser mit zukunftsfähigen Kompetenzen und relevantem Wissen ausgestattet werden. Dazu wurden acht Punkte ausgearbeitet, bei denen angesetzt werden sollte.

 

1. Focus on the early years: Das neue System sollte bereits in früher Kindheit ansetzen, wo der Fokus auf die Lese- und Schreibfähigkeit gelegt werden sollte. Natürlich ist dazu auch eine adäquate Kinderbetreuung, für Familien in denen beide Elternteile berufstätig sind, notwendig. Das betrifft nicht nur Entwicklungsländer, sonder auch entwickelte Länder.

2. Keeping it dynamic: Lehrpläne werden im Optimalfall nach der Marktnachfrage ausgerichtet und das am besten job-spezifisch aber auch allgemein, wie zum Beispiel Projektmanagement und Problem-solving. Die größte Herausforderung wird sein, die Lehrpläne auf Dauer dynamisch und anpassungsfähig zu gestalten. Eines der besten Beispiele für ein derartiges System ist Finland. Das skandinavische Land ist einer der weltweiten Spitzenreiter im Bildungssektor. Die finnischen Lehr- und Studienpläne werden laufend angepasst und stellen einen grundsätzlichen Rahmen dar, bei dem es Spielraum für lokale Anpassungen gibt, die die Schulen selbst umsetzen können.

3. Open-sourcing education: Der Bericht befürwortet außerdem, Innovationen im Lehr- und Schulungsbereich schneller umzusetzen und auch alternative Methoden (zB.: Hackathons) in Betracht zu ziehen. Zusätzlich sollte es auch erlaubt sein, mit neuen Techniken zu experimentieren. Das New York Department of Education hat zum Beispiel sogenannte “Lab-schools” eingerichtet und diese beauftragt das Lernen und Unterrichten neu zu erfinden. Pioniere im Gebiet von Programmierkursen, basierend auf Peer-to-Peer-Unterricht, projekt-basiertem Lernen und Gamification, sind in Ghana, Frankreich und den Vereinigten Staaten zu finden.

© Luis Llerena. Unsplash

© Luis Llerena. Unsplash

4. Taking teachers out of the ivory tower: Um die Bildung und die Wirtschaft besser zu verbinden, wird vorgeschlagen Initiativen wie Praktika für Lehrende (“externships”), Arbeitsplatz-Mentoring und die Beteiligung des privaten Sektors an der Schulung von Lehrenden zu unterstützen.

5. Giving students a sense of the real world of work: Ähnlich wie bei den Lehrenden, sollen auch die SchülerInnen schon früh Einblicke in die Arbeitswelt machen. Die SchülerInnen können so einen besseren Überblick über verschiedene Karrieremöglichkeiten und die dazu benötigten Fähigkeiten bekommen. Erreicht werden kann dies mithilfe von Praktika (“internships”) und laufenden Karrierenberatungen.

6. Addressing the vocational stigma: Berufliche und technische Ausbildung ist in der Wirtschaftswelt von hoher Bedeutung, wurde jedoch leider oft vernachlässigt. Das Weltwirtschaftsforum befürwortet eine proaktive Förderung von beruflicher und technischer Ausbildung und die qualitative Verbesserung der angebotenen Berufsausbildungen. Deutschland ist in diesem Gebiet ein Vorbild. Ausbildungsprogramme wie in Deutschland, bei dem die Arbeitswoche der Azubis in Schul- und Arbeitszeit geteilt ist, fördern nicht nur ein exzellentes Talente-Pool, sondern erleichtert auch den, oft schwierigen, Übergang von der Schulzeit in die Arbeitswelt.

7. Digital fluency: Digitale Kompetenzen werden in sehr vielen Berufszweigen essentiell sein, daher wird im Bericht auch auf die Notwendigkeit aufmerksam gemacht, Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) verstärkt in den Lehrplänen zu verankern. So kann sichergestellt werden, dass den wachsenden Mängeln in diesem Gebiet entgegengewirkt werden kann. Eines der besten Beispiele dafür ist Indien. Dort gibt es eine Kooperation zwischen der National Association of Software and Services Companies (NASSCOM), NGOs und der indischen Regierung mit dem Ziel landesweit Förderzentren für digitale Bildung aufzubauen – die sogenannten National Digital Literacy Centres.

© World Economic Forum

 

8. Education, education, education: Bei den rasanten Veränderungen am Arbeitsmarkt, die stattfinden werden, können sich ArbeitnehmerInnen nicht darauf verlassen mit einseitigem Fachwissen (das nicht perfektioniert ist) langfristig Erfolg zu haben. Um ständig Fähigkeiten weiterentwickeln zu können und siche neue anzueignen, werden Initiativen für lebenslange Weiterbildungsmöglichkeiten für MitarbeiterInnen befürwortet. In Singapur erhalten Arbeitnehmer jährlich ein Kontingent an Weiterbildungszeit, in der sie Kurse, die zukunftsfähige Kompetenzen fördern, besuchen können.

Die vierte industrielle Revolution wird die Arbeitswelt so wie wir sie kennen auf den Kopf stellen. Abschließend wird im Bericht postuliert dass, sofern die unflexiblen Bildungssysteme nicht reformiert und anpassungsfähiger werden, deren Versagen die zukünftigen Generationen daran hindern wird zu prosperieren oder zumindest den Wohlstand einschränken wird.

Aus unserer Sicht, der von oikos Vienna, geht ein wichtiger Punkt ab. Natürlich werden die technischen Veränderungen die Anforderungen am Arbeitsmarkt umkrempeln, jedoch dürfen auch sozio-ökologische Aspekte nicht zu kurz kommen. Um einen intakten Arbeitsplatz in einer lebenswerten Gesellschaft sicherzustellen ist auch eine intakte Umwelt nötig.

Wir schlagen daher den Punkt 9 vor – Sustainability and socio-economic approach: Im Sinne der Nachhaltigkeit sollte das Verständnis für die Wichtigkeit einer Balance zwischen ökonomischen, sozialen und ökologischen Interessen vermittelt werden. Damit kann langfristig eine nachhaltige Entwicklung und menschenwürdige Arbeit gefördert werden.

By Bernhard

Quelle: World Economic Forum

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