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SDG 8: Decent Work and Economic Growth

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Die Wirtschaft muss wachsen! – Allzu oft wird diese Aussage gebraucht und zur Lösung vieler unserer Probleme erklärt. Doch was genau bedeutet diese, oft auch von Politikern verwendete, Floskel? Wohin soll das Wachstum führen und was genau soll wachsen?

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Nachhaltiges und integratives Wirtschaftswachstum 

Laut UNO ist nachhaltiges und integratives Wirtschaftswachstum notwendig, um eine positive globale Entwicklung zu erreichen. Denn schon seit Längerem wird in den Industriestaaten ein Rückgang der Steigerung des BIP verzeichnet, sie haben also ein geringeres Wirtschaftswachstum als Schwellenländer wie China oder andere Staaten in Ostasien. Dazu ergänzend steigt auch die Arbeitsproduktivität, die das ökonomische Wachstum antreibt, in diesen Staaten verhältnismäßig mehr. Jedoch befinden sich Industriestaaten prinzipiell auf einem höheren Niveau. 2015 erzielte ein durchschnittlicher Arbeiter in Europa oder anderen vergleichbaren Regionen 23 Mal so viel Output als ein durchschnittlicher Arbeiter aus dem subsaharischen Afrika.
Um integratives Wachstum zu erzielen, ist es wichtig, hohe Beschäftigungsquoten herbeizuführen, jedoch auch auf faire Arbeitsverhältnisse zu achten und Kinderarbeit zu vermindern. Letzteres funktioniert natürlich nur, wenn Familien nicht mehr auf das Gehalt der Minderjährigen angewiesen sind, also ihr Wohlstand gesteigert wird.

Zur Erfüllung des SDG 8 soll viel auf Innovation und technischem Fortschritt gesetzt werden, auch soll das Wirtschaftswachstum endlich von der Ausbeutung unserer Umwelt entkoppelt werden. Unter anderem werden gleicher Lohn für gleiche Arbeit gefordert, sowie eine allgemeine Stärkung der Arbeitnehmerrechte. Weitere Ziele sind die effektive Bekämpfung moderner Sklaverei, die absolute Beendigung von Kinderarbeit jeglicher Form bis 2025, die drastische Verringerung der globalen Jugendarbeitslosigkeit, aber auch Stärkung und Vergrößerung der Kapazitäten von Finanzinstituten um mehr Menschen Zugang zu Finanzdienstleistungen und Versicherungsanstalten zu bieten. Außerdem soll allgemein die finanzielle Gleichheit der Geschlechter herbeigeführt werden.

Mithilfe dieser ehrgeizigen Ziele scheint es möglich, in eine rosige und gerechtere Zukunft zu blicken, allerdings widersprechen dem  viele Entwicklungen, die wir oft aus diversen Medien erhalten. Themen wie wachsende Ungleichheit in unserer Gesellschaft werden von bekannten und massentauglichen Ökonomen wie Joseph Stiglitz und anderen behandelt und auch die starke Konzentration des weltweiten Reichtums wird öffentlich stark diskutiert. Wir wollen auf eine gerechtere Welt zusteuern, jedoch öffnet sich auch in den Industriestaaten die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr; der Wohlstand wird also immer ungleichmäßiger verteilt und vom Wirtschaftswachstum profitieren ärmere Menschen immer weniger.
Natürlich sind auch positive Entwicklungen zu beobachten: So hat es das Thema Umweltschutz in die breite öffentliche Diskussion geschafft und Unternehmen werden immer öfter gezwungen, auf Nachhaltigkeit zu bauen und die Nachfrage nach fair produzierten Waren hat es in den Mainstream geschafft. Doch sollten nicht angesichts der drastischen Situation in der wir uns gerade befinden, radikalere Schritte eingeleitet werden?

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Eine Kritik 

Die Menschheit hat unseren Planeten so sehr verändert wie kein Naturereignis je zuvor und das leider nicht im positiven Sinn! Der anthropogen verstärkte Klimawandel ist eine reale, selbstverschuldete Bedrohung. Es muss mehr Druck auf Staaten und Unternehmen ausgeübt werden, denn derzeit sind wir von der Erfüllung der Milleniumsziele, den Vorgängern der SDG´s, bezüglich der Verringerung der Treibhausgasemissionen bis 2020, noch meilenweit entfernt und das Ziel einer maximalen Erderwärmung um 2 Grad rückt in immer weitere Ferne. Ärmere Regionen wie Afrika und viele Inselstaaten werden am meisten unter der Klimaerwärmung leiden. Es gibt schon heute mehr Flüchtlinge auf der Erde als je zuvor, die Klimaflüchtlinge werden in Zukunft noch viel mehr.  Es sei angemerkt, dass der anthropogene Klimawandel zu einem großen Teil durch unseren (westliche Welt, Industriestaaten) wirtschaftlichen Aufschwung und den kompromisslosen Willen nach immer mehr Wohlstand verursacht wurde. Nach diesem Wohlstand und Wachstum streben heute nicht mehr nur die westlichen Staaten auch, China, Indien, Brasilien, viele weitere Länder Südamerikas und Südostasiens – sie alle streben nach Wohlstand für ihre schnell wachsende Bevölkerung. Mit dem prognostizierten Bevölkerungswachstum und einem auf BIP Wachstum aufgebauten Wohlstand, ist dies in einer endlichen Welt, mit begrenzten Ressourcen jedoch schlicht nicht möglich. Daten zeigen, dass der technologische Fortschritt, effizientere Produktionsprozesse bisher nicht zu einer Entkopplung von Ressourcenverbrauch und Wirtschaftswachstum geführt hat. Je stärker die Effizienz einer Wirtschaft zunimmt, desto stärker werden Wirtschaft und Nachfrage wachsen. Denn während Effizienzzuwächse – sprich der immer sparsamere Einsatz von Energie und Materialien – einerseits sehr wünschenswert sind, lösen sie andererseits unerwünschte Nebenfolgen aus, da sie das Wachstum anfeuern.

Vielleicht ist es also jetzt an der Zeit um den Weg frei zu machen für neue Ideen und um vom Glauben an die alleinige Rettung durch Wachstum abzuweichen. Ein Beispiel für eine allgemeine Abwendung der Messung des Lebensstandards ausschließlich durch Geldflüsse ist Bhutan; dort wurde eine Kommission für das Bruttonationalglück eingesetzt um die Einseitigkeit des BIP auszugleichen.

Wir sollten die SDG´s unterstützen, aber die Diskussion muss auch in vielen Punkten erweitert werden und plurale Theorien und Ideen müssen mehr in die Öffentlichkeit getragen werden. Auch der Ökonom Kenneth Boulding stand dem starrsinnigen Glauben an das ewige Wachstum sehr skeptisch gegenüber:

„Wer glaubt, unendliches Wachstum in einer endlichen Welt sei möglich, ist entweder verrückt oder Wirtschaftswissenschafter.“

Also wo genau wollen wir eigentlich hin? Es muss nicht immer weiter stur nach oben führen, es gibt auch andere Richtungen in die wir uns bewegen können und ein sichtlich fehlerhaftes System sollte doch überarbeitet, neu gedacht und an die Umstände angepasst werden.

Von Anna

Mehr zum Thema  Wachstum aus einer kritischen Perspektive findet Ihr hier.

Quellen:

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