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Ist grünes Wirtschaftswachstum möglich? – Gastbeitrag

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Vor über einem Jahr haben sich die UN Länder in Paris das Ziel gesetzt eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad zu erreichen. Das Abkommen ist mittlerweile von ausreichend vielen Staaten ratifiziert worden. Sicherlich ist das ein Grund zur Freude, dennoch stellt sich die Frage wie dieses Ziel erreicht werden kann. Kann die Weltwirtschaft weiter so wachsen, speziell so rapide wie sie es in den Schwellenländern tut, und können gleichzeitig die Produktionsemissionen begrenzt oder gar reduziert werden? Eine Reduktion wird, daran besteht unter Wissenschaftlern kein Zweifel, erreicht werden müssen, sonst rückt das 1,5-Grad-Ziel in weite Ferne. Die Sustainable Development Goals (SDGs) visieren ein solches grünes Wirtschaftswachstum an: Das globale Produktionsausmaß soll weiterhin steigen, der Energieverbrauch sowie die resultierenden Emissionen von Klimagasen jedoch stark reduziert werden.

© Lily Rhoads

© Lily Rhoads, flickr


Wie kann solch eine Entkopplung erreicht werden? Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird alleine den steigenden Bedarf nicht stillen. Auch die Industrie selbst muss effizientere Methoden entwickeln und Konsumgüter mit geringem Energieverbrauch herstellen (technologischer Fortschritt / Energiesparsamkeit). Wichtig ist aber auch die Frage, ob sich auf lange Sicht nicht auch die Konsumgewohnheiten ändern müssen um unseren Energiekonsum zu senken. Das heißt, dass weniger energieintensive Güter wie Autos, Flugzeuge, Häuser und Elektrogeräte konsumiert werden sondern mehr energiearme Güter wie z.B. Software, regionale Ernährung oder Gesundheitsdienstleistungen, die aber trotzdem kommerziellen Wert haben. Eine Konsumverschiebung dieser Art würde sich natürlich auch auf die Struktur der Wirtschaft und damit ihren Energieverbrauch auswirken. Die Frage ob ein solcher grüner Strukturwandel stattgefunden hat, wollen wir in unserem Forschungsprojekt beantworten. Wir analysieren daher die Entwicklung der globalen Energieeffizienz im Zeitraum zwischen 1995 und 2009 und zerlegen ihn in eine Komponente die die Auswirkungen des strukturellen Wandels und eine, die den technologischen Fortschritt misst. Bevor wir das sinnvoll machen können, müssen wir aber herausfinden was der wahre Energieverbrauch einer Wirtschaftsbranche ist. Und das ist nicht trivial wie wir im Folgenden sehen werden.

Nur scheinbar grüne Sektoren?

Intuitiv stellt man sich beispielsweise den Dienstleistungssektor verglichen zum herstellenden Gewerbe relativ sauber und energieeffizient vor. So verbraucht eine IT-Beratungsfirma sicherlich weniger Energie als eine die Maschinen im gleichen Wertumfang herstellt. Allerdings nur, wenn man den direkten Energieverbrauch in diesen Firmen betrachtet. Wenn man aber bedenkt, dass die Herstellung der Computer, des Firmengebäudes, der Einrichtung und aller anderen Güter die in der IT-Beratung mitbenutzt werden, auch Energie gekostet hat, dann fällt dieser Unterschied schon weniger offensichtlich aus. Diese Gesamt-Energienutzung nennen wir den Energie-Fußabdruck, welcher auch dem indirekten Energieverbrauch Rechnung trägt. Das bedeutet, dass die Energie die nötig war um die Einkäufe der Dienstleister zu produzieren tatsächlich auch dem Dienstleistungssektor zugeordnet wird. In Grafik 1 sehen wir eine solche Umrechnung für sieben globale Sektoren.

blog_grafik1

Energieverbrauch und Energie-Fußabdruck von sieben Sektoren, global aggregiert. Zusätzlich wird die Wirtschaftsleistung des Sektors angegeben. Angaben in Prozent der globalen Totalgröße.

Die grauen Balken, welche den Energieverbrauch eines Sektors angeben, deuten darauf hin, dass vor allem die Energie- und Wasserversorger, sowie das verarbeitende Gewerbe für den globalen Energiekonsum verantwortlich sind, und das obwohl ihre Wirtschaftsleistung deutlich kleiner ist als beispielsweise die des Dienstleistungssektors. Berücksichtigt man jedoch den Handel zwischen den Sektoren und die damit einhergehende Verschiebung von Energie, so ergibt sich ein etwas anderes Bild. Der Energie-Fußabdruck des Dienstleistungssektors ist nun deutlich höher, da der Energieverbrauch der Waren die aus allen anderen Sektoren bezogen werden mitberücksichtigt werden. Eklatant fällt der Unterschied im Baugewerbe aus. Hier zeigt sich dass ein scheinbar grüner Sektor mit einem kleinen Energieverbrauch durchaus einen hohen Energie-Fußabdruck besitzen kann.

Struktureller Wandel und Energieverbrauch

Tatsächlich, so ergibt unsere Analyse, sind die relativ sauberen Sektoren innerhalb der Länder gewachsen was dazu geführt hat, dass dieser Strukturwandel für sich alleine eine Reduktion der globalen Energieintensität von ca. 5 % bewirkt hat (im Zeitraum von 1995 bis 2009). Deutlich stärker waren jedoch Effekte die sich innerhalb der einzelnen Sektoren zugetragen haben, also beispielsweise technologischer Fortschritt der eine effizientere Produktionsweise ermöglicht hat. Solche Fortschritte haben global die Energieintensität um knapp 20 % reduziert. Ein beträchtlicher Teil dieser strukturellen und technologischen Fortschritte wurde jedoch von internationalem Handel kompensiert. So führte der Trend zur Auslagerung von energieintensiven Industrien in Ländern mit noch geringerer Effizienz für sich alleine zur einer Steigerung der Energieintensität.

Fazit

Struktureller Wandel alleine konnte in den letzten zwei Jahrzehnten keine durchschlagende Rolle in der Steigerung der Energieeffizienz spielen. Hier hatte technischer Fortschritt eine bei weitem höhere Bedeutung. Nichtsdestotrotz, so zeigen die Daten, hat sich eine grüne strukturelle Wende global vollzogen, wenn auch im kleinen Maße. Abzuwarten ist, ob das Pariser Abkommen weitere Impulse hin zu einer grüneren Struktur der Wirtschaft geben wird. So kann insbesondere eine Carbon-Tax einen solchen Trend verstärken da es grüne Sektoren bevorteilt.

Die vollständige Forschungsarbeit ist hier als kostenloser Download erhältlich:
http://www.econ.tuwien.ac.at/wps/econ_wp_2016_08.pdf

 

by Daniel Croner & Ivan Frankovic

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