oikos Vienna

students for sustainable economics and management

SDG 13: Climate Action

Hinterlasse einen Kommentar

„One Point Five to stay alive!“ protestieren die Aktivisten auf der Weltklimakonferenz. Und wie heißt der neue Film von Leonardo di Caprio? „Before the Flood“ – vor der Flut. Die Veränderungen im globalen Klima stellen also ein Problem dar, das unser Überleben gewissermaßen infrage stellt.

© Christoph Peterseil

© Christoph Peterseil

Selten wird es so direkt ausgedrückt: ein Problem, das so groß sowie komplex ist und unsere Existenz bedroht, kann schwer vernünftig in Angriff genommen werden. Denn wenn es zu groß, kompliziert und gefährlich wirkt, wird man eher versuchen, davor wegzulaufen, es zu verneinen und zu ignorieren, es als Erfindung der Chinesen abzutun, es auf jeden Fall aus seiner kleinen heilen Welt zu schaffen. Denn das Problem bedroht diese kleine Welt in ihren Grundfesten.

Andererseits weiß man dank ausgiebiger Forschung ziemlich genau, was auf unserem Planeten passiert und noch passieren kann. Zum Beispiel eine Durchschnittstemperaturerhöhung von 4-6 °C in Österreich, mehr als im globalen Schnitt, denn es erwärmen sich Landflächen schneller als die Ozeane. Und global gesehen steht uns die Häufung von Extremwetterereignissen (Hochwasser, Stürme, Dürren, …), die Erhöhung des Meeresspiegels und die Verschiebung von Jahreszeiten bzw. Regenmustern bevor. Dabei gilt: je höher die Durchschnittstemperatur steigt, umso unvorhersehbarer die Folgen.

Auf internationaler politischer Ebene ist das Thema glücklicherweise präsent und findet in der UN Climate Change Conference seit mehr als 20 Jahren eine breite Bühne. Schließlich ist der Klimawandel geradezu ein Paradebeispiel für eine globale Herausforderung, die unbedingt auch global koordiniert werden muss. Die langjährigen diplomatischen Anstrengungen gipfelten letztes Jahr in das Pariser Übereinkommen: 195 Vertragsparteien verpflichten sich in einem völkerrechtlichen Vertrag dazu, nach eigenem Ermessen gegen den Klimawandel aktiv zu werden. Adaptation und Mitigation, also Anpassung und Verhinderung, werden gleichrangig behandelt.

SDG 13 - Climate Action

Fahrpläne mit Kehrtwende

Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, werden nun Strategien gestrickt und Fahrpläne bis 2030 und 2050 fixiert. Die EU will eine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz einnehmen, indem sie bis 2030 40 % der Treibhausgase einsparen, bis 2050 ganze 80 bis 95 % (Werte jeweils im Vergleich zu 1990). Umgesetzt werden soll das unter anderem mithilfe von CO2-Zertifikaten, die mit der Zeit in immer kleinerer Anzahl ausgegeben und somit teurer werden. Was diese Reduktionsziele im Klartext bedeutet, hat mir ein Verhandler auf der Klimakonferenz so erklärt: „Die industrielle Revolution ist ein Lercherl gegen die Veränderung, die der europäischen Wirtschaft in den nächsten 30 Jahre bevorsteht!“ Schließlich sei angesichts der tief verwurzelten Abhängigkeit der Wirtschaft von fossilen Brennstoffen eine solche Kehrtwende noch nicht in Sicht.

Österreich 2050 = energieautark + klimaneutral?

Auch in Österreich weiß man (zumindest auf dem Papier) über das Ausmaß und die Dringlichkeit des Themas Bescheid, denn „es bedarf großer Anstrengung und eines langfristigen Umbaus unseres Energie- und Wirtschaftssystems“. Zu diesem Schluss kam zumindest die Studie „Energieautarkie in Österreich“ (2010), laut der die Energieautarkie mit eigenen erneuerbaren Energieträgern technisch möglich sei, sofern der Endenergiebedarf maßgeblich reduziert werden könne. Am Ende würden aber alle davon profitieren: Mensch, Umwelt, Klima, Arbeitsmarkt und Wirtschaft.

Die Realität sieht aber (noch) ganz anders aus: Anstrengungen zu mehr Klimaschutz haben mit dem Gegenwind der Wirtschaftsvertreter zu kämpfen, die den Klimawandel nicht so sehr als Chance, sondern als Sand im Getriebe sehen. Dabei betont eben erwähnte Studie auch, dass der Spielraum für diesen Fahrplan relativ klein ist und deswegen sofort auf allen Ebenen Aktionen gesetzt werden müssten. Oder, wie es die besonders vom Klimawandel betroffenen Staaten auf der Klimakonferenz ausgedrückt haben: „Wir wissen nicht, worauf Staaten mit CO2-Neutralität und 100 % erneuerbare Energie noch warten, alle müssen anfangen, sonst werden wir alle darunter leiden.“

Und das Gute ist, jeder kann mit einem klimafreundlicheren Lebensstil Teil der Lösung werden! Der Klimawandel ist weniger ein technisches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem, das vor allem mit einem Wertewandel und einem größeren Bewusstsein um unsere Ressourcen begegnet werden muss. Die Klimakonferenz, eine breite öffentliche Diskussion und die kleinen Bemühungen jedes Einzelnen machen den Unterschied!

by Christoph Peterseil, Klimareporter.in

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s