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Geplante Sollbruchstellen und neue zukunftsträchtige Business Models – 14. oikos Talk mit Sepp Eisenriegler 

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Im Dezember haben wir uns das SDG Entwicklungsziel „nachhaltiger Konsum und Produktion“ zum Fokus Thema gemacht und dies sogleich mit einem passenden Talk eingeleitet.

Zum 14. oikos Talk haben wir Sepp Eisenriegler, Gründer des Reparatur- und Service-Zentrums R.U.S.Z in Wien und Autor des Buches „Konsumtrottel. Wie uns die Elektro-Multis abzocken und wie wir uns wehren“ zu einem Kamingespräch ins Library Cafe an der Wirtschaftsuniversität Wien eingeladen.

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Der ausgebildete AHS-Lehrer erzählte uns zunächst, wie er durch seine Ausbildung im Bereich Geografie zu dem immer stärkeren Bewusstsein kam, dass sich unser heutiges Wirtschaften mit den endlichen Ressourcen des Planeten nicht ausgeht. Schon früh hat er sich also für den Umweltschutz engagiert – AKW Zwentendorf und Hainburg sind ihm noch sehr stark in Erinnerung. Schließlich initiierte er die Umweltberatung in der Stadt Wien, sein Ziel war es schon vor fast 30 Jahren ein ökologisches, nachhaltiges Bewusstsein bei privat Personen und Betrieben zu schaffen.

Schließlich gründete er 1998 mit dem R.U.S.Z einen sozial-ökonomischen Betrieb, der 2011 in ein sozial-ökologisches, privatwirtschaftliches Unternehmen umgewandelt wurde, in dem Langzeitarbeitslose ausgebildet wurden und immer noch werden, die durch die Reparatur und Instandsetzung von 5 Millionen Kilogramm Elektrogeräten in den letzten 18 Jahren zu Klimaschutz und Abfallvermeidung beigetragen haben.

„Böse“ Elektro-Multis & Konsumtrottel

Sehr schnell fanden wir uns in einer Diskussion über die globale Ungerechtigkeit, Erhalt und Ausweitung unseres Konsums auf Kosten des Südens und der Macht der großen Konzerne wieder. Wegwerfen, neu kaufen. So funktioniert das Wachstumskonzept der Konsumgesellschaft. Was nicht gefällt, landet im Mistcontainer. Weltweit sind das jährlich 41,8 Millionen Tonnen Elektroschrott. Rund zwei Drittel davon sind Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen und Kühlschränke.

Sind wir, die Konsumenten, letztlich Schuld daran, dass Elektrogeräte zum ‚Verbrauchsprodukt’ verkommen sind? Und ist geplante Obsoleszenz nur eine wilde Verschwörungstheorie?

Fakt ist, aktuell gibt es kaum Anreize für Produzenten, langlebige Produkte zu produzieren. Zum einen wäre hier die Macht der großen Elektrohändler, welche fast schon eine monopolistische Stellung einnehmen, um es überspitzt zu formulieren. Wusstet Ihr, dass die vermeidlichen Konkurrenten Saturn und Mediamarkt am Ende zum selben Konzern, Metro, gehören? Diese haben starkes Interesse daran, langfristig so viele Produkte wie möglich zu verkaufen und daher auch kein Interesse daran, langlebige Produkte anzubieten – was ist daran schon zu verdienen? Unternehmen sind schließlich auch gefangen in der Wachstumsschleife, die auf stetig seigendem Konsum basiert.

An dieser Stelle sei erwähnt: Ja, geplante Sollbruchstellen sind nachzuweisen. Neben brisanten Listen, welche ‚Empfehlungen’ zur Lebensdauer von Elektrogeräten je nach Preis enthalten, liefert Sepp Eisenriegler aber noch weitere Beweise basierend auf seiner langjährigen Erfahrung und auf im RUSZ erhobenen Studien.

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ReThink Business Models

Was aber, wenn wir die herkömmlichen Business Models überdenken: Weg vom womöglich bereits veraltetem Konzept des Eigentums („transfer of ownership“). Was wenn wir unsere Elektrogeräte in Zukunft nicht mehr besitzen, sondern nur mehr ‚mieten’?

Viele verbinden mit Eigentum Prestige, Freiheit, Macht und Kontrolle. Wenn wir Elektrogeräte von den Herstellern mieten würden, anstatt sie zu kaufen, könnte sich jedoch folgendes einstellen: Die Hersteller hätten endlich einen Anreiz langlebige Produkte zu produzieren. Und die Mieter des Produktes sind befreit von den Unannehmlichkeiten wie Neuanschaffung, Entsorgung, Reparatur, Weiterverkauf der Maschine. Natürlich müssen die Rahmenbedingungen dafür zuerst einmal ausgestaltet werden. Für Unternehmen ist es aber schon ganz normal, etwa Drucker nur mehr zu mieten. Der Hersteller bzw. der Servicepartner kümmert sich um Service, Wartung und Reparatur. Diesen interessanten Ansatz diskutierten wir mit Sepp Eisenriegler.

Um einen ersten Schritt in die Richtung eines nachhaltigen Konsum- und Produktionsverhalten zu machen, hat das R.U.S.Z gemeinsam mit dem Österreichischen Normungsinstitut und anderen Partnern das Öko-Design Label für langlebige und reparaturfreundlich designte Elektroneugeräte entwickelt (ONR 192102). Die ersten mit diesem neuen Gütesiegel ausgezeichneten Geräte sind bereits am Markt und werden in Zukunft auch im R.U.S.Z erhältlich sein.

EU-Politik: Kreislaufwirtschaft

Und auch auf EU-Ebene ist bereits viel im Gange. Es wurde bereits ein ‚action plan’ zur Transition zu einer Circular Economy verabschiedet:

The transition to a more circular economy, where the value of products, materials and resources is maintained in the economy for as long as possible, and the generation of waste minimized, is an essential contribution to the EU’s efforts to develop a sustainable, low carbon, resource efficient and competitive economy. Such transition is the opportunity to transform our economy and generate new and sustainable competitive advantages for Europe. (http://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX:52015DC0614)

Neben einer besseren Ausgestaltung des EU-Eco Labels geht es vor allem darum Anreize (und Verpflichtungen) zu schaffen, welche Hersteller dazu anhalten langlebige Produkte herzustellen.

Sepp Eisenriegler hat sich die letzten 20 Jahre schon aktiv gegen den Konsumwahn “Gefangen in der Wachstumspirale” eingesetzt und aufgezeigt, dass eine ökolgisch-soziale Wirtschaftsweise (wie im R.U.S.Z) funktionieren kann. Wer mehr zum Thema erfahren will, dem sei das Buch ‘Konsumtrottel’ wärmstens empfohlen und schaut vor Kauf neuer Elektrogeäte auch mal im R.U.S.Z vorbei.

 

by Julia

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