oikos Vienna

students for sustainable economics and management

No Poverty und Zero Hunger in Wien

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Nach der Sommerpause melden wir uns im neuen Wintersemester mit vollem Elan zurück. In den kommenden Monaten wollen wir uns, wie auch das restliche Programm von oikos Vienna, an den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen (UN) – kurz den SDGS orientieren, die Ende letzten Jahres verkündet wurden und seit dem 1. Jänner 2016 in Kraft getreten sind. Jeden Monat werden wir uns zwei der insgesamt siebzehn Gesamtziele widmen. Im Oktober bzw. November liegt der Fokus auf „No Poverty“ und „Zero Hunger“.

Aufgrund unserer thematischen Orientierung in urbaner Stadtentwicklung in Wien und Umgebung, haben wir uns von oikos Urban in der Stadt nach entsprechenden alt bewährten und neuen Trends umgesehen. Es wird auf dem Blog zusätzlich noch weitere Posts von anderen Teams geben, die auch einen Blick auf internationale Entwicklungen werfen werden.

Ganze 19,2% der österreichischen Bevölkerung sind laut Erhebungen der Statistik Austria armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Das heißt, fast eine Million Menschen leben in Österreich an oder unter der Armutsgrenze, weshalb sie sich viele grundlegende Dinge wie Lebensmittel nicht leisten können. Alleine die Stadt Wien verzeichnet damit etwa 270.000 von Armut betroffene Menschen. Weshalb der Bedarf an Einrichtungen und Organisationen zur Unterstützung und Bekämpfung von finanziellen und sozialen Notlagen sehr groß ist. Wir möchten diesen Monat einige von ihnen vorstellen.

 

Sozialberatungsstellen der Caritas

Die über  ganz Österreich verteilten Sozialberatungsstellen der Caritas, beraten und unterstützen Menschen in allen möglichen sozialen und finanziellen Notlagen. Aufgrund von Arbeitslosigkeit, Krankheiten und gesellschaftlichen Missständen, geraten Personen zum Teil in schwierige Situationen, in denen sie hier Unterstützung finden sollen.

Die SozialarbeiterInnen und die Rechtsberatung der Caritas, helfen bei der Durchsetzung staatlicher Ansprüche und Leistungen, leisten Hilfestellung bei der Sicherung von Einkommen, Wohnung und Arbeitsplatz und gehen in persönlichen Gesprächen auf die individuelle Situation ein. Dadurch kann gemeinsam an einem Lebens- und Finanzplanung gearbeitet werden.

Neben weiteren Betreuungsangeboten, soll diese Form der Beratung, die Hilfe zur Selbsthilfe als oberste Priorität haben. In Ausnahmefällen kann auch eine finanzielle Überbrückungshilfe ausbezahlt werden.

Neben dem Angebot für österreichische StaatsbürgerInnen, bietet die Caritas auch für MigrantIn bzw. Drittstaatsangehhörige mit Aufenthaltstitel verschiedene Beratungsstellen. Weitere spezielle Sozialberatung gibt es etwa für AsylwerberInnen, sowie für Schwangere. Die Beratung ist in allen Stellen kostenlos.

 

Le+O

kombiniert soziale Nachhaltigkeit in Form von Lebensmittelausgabe, mit ökologischer Nachhaligkeit in Form von Lebensmittelspenden bestehend aus brauchbaren Wegwerfprodukten der Lebensmittelindustrie, und ökonomische Nachhaltigkeit durch vor Ort Beratungsangebot. 2009 wurde die Einrichtung Lebensmittel und Orientierung von der Caritas Wien und  Pfarren der Erzdiözese Wien gegründet. Sie stehen in weiterer Kooperation mit dem Team der Österreich Tafel und dem Wiener Roten Kreuz, sowie mit vielen Unternehmen, Schulen und Universitäten zur Bewusstseinsbildung.

In den Ausgabestellen erhalten armutsbetroffene Haushalte zu einem Beitrag von 3,50 Euro einmal pro Woche Lebensmittel, wie z.B. Obst und Gemüse, Reis, Zucker, Teigwaren oder Konserven. Wöchentlich werden so über acht Tonnen gespendeten und ansonsten weggeworfenen Lebensmittel bei KooperationspartnerInnen in Wien und Niederösterreich abgeholt, sortiert und an die elf Ausgabestellen verteilt. Seit der Projektinitiierung konnten dadurch bereits ca. 11.800 Haushalte unterstützt werden. Beinahe 70 Unternehmen und eine Vielzahl an ehrenamtlichen MitarbeiterInnen beteiligen sich an Le+O.

Gleichzeitig stehen bei Bedarf SozialarbeiterInnen für eine individuelle Beratung zur Verfügung, die in Notlagen, wie auch bei der Durchsetzung finanzieller Ansprüche bei Behörden oder Ämtern, kostenlose Beratung anbieten.

 

VinziRast Notschlafstelle

Vielen ist der Name VinziRast ein Begriff, jedoch oft ohne zu wissen, wie viele verschiedene Einrichtungen sich wirklich dahinter verbergen. Der Trägerverein namens Vinzenzgemeinschaft St. Stephan führt, ganz nach ihrem Motto „Jeder kann etwas tun. Wir gehören alle zusammen“ mehrere soziale Wohnprojekte.

Die VinziRast- Notschlafstelle, eine der Einrichtungen des Vereins, befindet sich im 12. Bezirk und öffnet ihre Türen täglich von 18:30 – 21:00 Uhr für bis zu 60 Menschen, die kein eigenes Zuhause haben. Auch Hunde sind erlaubt!! Für nur zwei Euro die Nacht bekommen sie hier ein warmes Bett, ein Abendessen, sowie ein Frühstück. Im Gegensatz zu den meisten anderen Notschlafstellen gibt es hier auch die Möglichkeit, sich gleich für mehrere Tage einzuquartieren und sein Hab und Gut für diesen Zeitraum in Spinten aufzubewahren.

Falls ihr die VinziRast Notschlafstelle und all die ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die dort arbeiten,  unterstützen wollt, dann schaut doch einfach mal im Lokal mittendrin in der Währingerstr. 19 vorbei, dessen Reingewinn dem Verein Vinzenzgemeinschaft St. Stephan zugutekommt.

 

Canisibus

Gut möglich, dass ihr einen der beiden Canisibusse der Caritas schon durch Wien flitzen oder an einer der verschiedenen Stationen stehen gesehen habt. Auf zwei verschiedenen Routen bleiben sie nämlich jeden Abend im 25-Minuten-Takt an jeweils vier zentralen Standorten Wiens stehen, wie zum Beispiel am Praterstern, am Schottentor oder am Westbahnhof. Die dort ausgegebene Suppe ist für viele der Gäste die einzige warme Mahlzeit des Tages und kann nur dank der vielen freiwilligen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Tag für Tag, auch an Wochenenden und Feiertagen, ca. 450 Gäste stärken.

Wer helfen möchte kann gerne Sachspenden in Form von Lebensmitteln vorbeibringen, sich finanziell beteiligen oder ehrenamtlich bei den Bussen mitarbeiten.

 

Die Gruft

Seit Advent 1986, ist die Gruft Zuflucht für Menschen ohne fixem Dach über den Kopf. Einst mit Schmalzbrot und Tee begonnen, bietet die Gruft heute inmitten des 6. Wiener Bezirks Mariahilf an 365 Tagen durchgehend, 24-Stunden lang: Aufenthalts- und Schlafmöglichkeit, Frühstück, Mittag- und Abendessen, Kleiderausgabe, Wasch- und Duschmöglichkeit, Depots, Postadresse, sozialarbeiterische Betreuung, sowie medizinische und therapeutische Hilfestellungen. Das Team der Gruft, u.a. Diplomierte SozialarbeiterInnen, Ärzte, PsychiaterInnen, PsychotherapeutInnen und Zivildienern, unterstützen obdachlose Menschen dabei, wieder in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Dies geschieht nicht nur durch vor Ort-Betreuung, sondern auch durch Streetwork.

Die Gruft finanziert sich zur Hälfte durch den Fonds Soziales Wien und zur anderen Hälfte durch Spenden. Aber nicht nur durch Geldspenden und Sachspenden, sondern auch durch das individuell organisierte Kochen und Mithelfen in Gruppen, wie auch durch spezielle Angebote seitens der Gruft. Insbesondere das Winterpaket (1 Schlafsack + 1 Mahlzeit) , ist hier zu nennen.

Seit 5 Jahren existiert auch die Zweite Gruft, welche vor allem ein Tageszentrum und Notschlafstelle für Frauen ist, sowie Mutter-Kind-Plätze und Kurzzeitwohnen für nicht anspruchsberechtigte, obdachlose EU-BürgerInnen bietet.

 

Arge Wien

Die Arbeitsgemeinschaft für Nichtsesshaftenhilfe Wien, kurz ARGE, zählt zu den ältesten gemeinnützigen Organisationen Wiens. Sie setzt sich, neben allgemeiner Obdachlosenhilfe, seit vielen Jahren für Menschen ein, die nach Jahren in der Obdach-oder Wohnungslosigkeit zu alt sind, ihren Alltag ohne Betreuung zu bewältigen. Die Arge bietet also dauerhafte Unterstützung und Betreuung für jene, die aufgrund sozialer Schwierigkeiten sowie dem Alter, auf Hilfe angewiesen sind.

Die Arge gibt den Menschen hiermit ein Dach über dem Kopf, jedoch auch genug Freiheiten, sich selbst zu entfalten und in der Selbständigkeit nicht eingeschränkt zu werden. Dabei ist bei den Wohnhäusern der ARGE besonders positiv anzumerken, dass keine Anpassungsleistungen von wohnungslosen HausbewohnerInnen verlangt werden.

In Wien finden sich derzeit fünf sozial betreute Wohnhäuser, deren Zuweisung über das bzWO, dem Beratungszentrum der Wohnungslosenhilfe, erfolgt. Des weiteren führt die ARGE Räumungen, Übersiedlungen und Wohnungsauflösungen zu fairen Preisen durch.

 

Verein START UP 

Der Verein START UP hat sich in kürzester Zeit einen Namen gemacht. 2014 gegründet, erhielt der Verein Anfang diesen Jahres, den Viktualia Award als eines der besten sozialen und lebensmittelrettenden Initiativen. Seit Ende 2014 konnten schon über 1.000.000kg genießbare Lebensmittel „gerettet“ werden.

Neben den Foodpoints (Hernals und Wiener Neustadt), die ein breites Angebot an Lebensmitteln von Restposten oder Überproduktionen anbieten, gibt es auch die START UP Bäckerei und ein Sozialcafé. Für einen geringen Tagesbeitrag können alle Einrichtungen von Foodpoint, über die Bäckerei mit kostenlosem Brot und Gebäck, bis hin zum Café mit kostenlosem WLAN, PCs, Drucker, Büchern, Fernseher und den täglich frisch zubereiteten Speisen in Anspruch genommen werden.

Die Sachspendenausgabe erfolgt immer montags bis freitags von 10-17h und samstags von 10-15h. Immer gerne gesehen; sind auch private Lebensmittelspenden zugunsten der Hilfsbedürftigen.

 

Zum Schluss möchten wir noch eine passende Initiative erwähnen, die dazu auffordert, selbst sozialunternehmerisch aktiv zu werden – der „Get active Social Business Award” fördert Projekte und Projektideen zum Thema Inklusion und Integration von benachteiligten Menschen in Österreich. Bereits zum 10. Mal gibt es diese Ausschreibung. Unter den bisherigen kreativen Gewinnern befanden sich u.a. das RUSZ  und  die Vollpension.

 

Die Aufzählung der hier genannten Einrichtungen ist keinesfalls vollständig. Wir möchten euch lediglich einige Organisationen nennen, die sich der Thematik widmen und mit viel Engagement und Unterstützung von freiwilligen Idividuellen, Menschen in Notlagen unterstützen und dadurch ihren Beitrag zu den SDGs 1 und 2 „No Poverty“ und „Zero Hunger“ leisten.

 

Krista, Lina, Theresa und Sam von oikos Urban

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