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Politik und das Panda-Logo – 12. oikos Talk mit Jurrien Westerhof vom WWF

2 Kommentare

Die Schnittstelle zwischen Politik und Wirtschaft – das ist seit kurzem Jurrien Westerhof bei der größten Naturschutzorganisation der Welt, dem WWF. Political Advisor nennt sich diese Position und ja, die gibt es auch beim WWF. Westerhof beschreibt sie mit „so etwas wie ein Außenminister“. Es geht unter anderem darum, mit Politik und Unternehmen zu kommunizieren, die gerne mit dem WWF zusammenarbeiten würden. Eine große Herausforderung ist es dabei, abzuwägen, wo und wie eine Zusammenarbeit sinnvoll für den WWF und die Kooperationspartner ist. Das Interesse, sich mit dem Panda-Symbol zu schmücken sei groß, erzählt Westerhof beim oikos Talk.

2016-05-17 19.06.33

Unser Gast kommt eigentlich aus den Niederlanden. Durch ein Praktikum hat es ihn vor mehreren Jahren nach Wien verschlagen, wo ihn die Liebe dann gehalten hat. Vor seiner Zeit beim WWF hat er sich als Baum-Umarmer, Kraftwerksbesetzer und Einsatztrainer der nächsten Generation bei Greenpeace verdient gemacht. Mit Kleinfamilie in Wien hat es ihn dann zu Beginn dieses Jahres zu weniger aktivistischen Tätigkeiten gebracht und es hat ihn – wie es vielleicht so mancher ausdrücken würde – zum biederen WWF verschlagen. Dies, so meint er, sei auch einer der Unterschiede zwischen den beiden Organisationen. Während bei Greenpeace Feldarbeit und Aktivismus im Vordergrund stehen, hat sich der vor über 50 Jahren in der Schweiz gegründete WWF eher einem gutbürgerlichen Ansatz der Einflussnahme verschrieben und versucht über Lobbyismus und kompromissbereiten Dialog mit Unternehmern gemeinsam Lösungen zu finden.

Hier spielt auch die Finanzierungskomponente mit hinein, welche Unternehmen dürfen sich das Panda Logo auf die Fahnen schreiben und welche nicht? Bis zu welchem Grad hat Geld (k)ein Mascherl? In diesem Zusammenhang gibt es einen weitläufigen Kriterienkatalog, in welchem festgelegt wird, mit welchen Unternehmen (gerade noch) kooperiert werden darf. Ein vergleichsweise bekannter Dialog hat sich hier mit Unternehmen der Palmölindustrie entwickelt, in diesem Zusammenhang hat der WWF den Runden Tisch für Palmöl ins Leben gerufen, an welchem Unternehmer der Branche, NGOs und Banken gemeinsam über „wirtschaftlich tragbare“ und ökologisch/sozial gesehen bessere Produktionsbedingungen nachdenken. Vom WWF selbst wird hier darauf hingewiesen, dass es sich keineswegs um ein „Öko-Label“ handelt, sondern um absolute Mindeststandards, ergo, wo Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl draufsteht, ist noch lang kein Optimum drin. Nun ja, inwieweit diese Allianz zu einer ökologisch nachhaltigeren Vorgehensweise betragen kann, bleibt wohl der Meinung eines jeden selbst überlassen. Von „Hilft’s nix so schadet’s zumindest nix“ bis zur günstigen Nutzung des Panda-Logos für fragwürdige Unternehmensgruppen ist alles dabei.

Das Thema Standpunkt und Meinung ist grundsätzlich ein nicht unwesentliches bei einer weltweit agierenden Organisation wie dem WWF. Die unterschiedlichen Niederlassungen sind ihrem jeweiligen Kulturkreis angepasst und vertreten zu bestimmten Themen nicht unbedingt die gleiche Meinung. Während sich beispielsweise der WWF Nordamerika etwa durchaus mit den Vorzügen von GMO anfreunden kann, ist dies in Europa ein absolutes No-Go und eine Unterstützung genetisch modifizierter Lebensmittel durch den WWF würde hier nicht nur unter den eigenen Mitarbeitern sondern voraussichtlich auch in der lokalen Bevölkerung einen Aufschrei auslösen. Aber so ist das nun einmal, wenn man in verschiedenen Kulturkreisen agiert und versucht über Kompromisse Lösungen zu finden. Dies ist unserer Ansicht nach auch sehr wichtig. Man kommt  wohl wenig weit, wenn man versucht, anderen Erdkreisen die eigenen Ansichten aufzuzwingen, wenn man nach Kooperation statt Imperialismus strebt.

Anna & Melanie

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2 Kommentare zu “Politik und das Panda-Logo – 12. oikos Talk mit Jurrien Westerhof vom WWF

  1. die dunklen geschäfte im zeichen des panda:

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  2. Scheint ein zweischneidiges Schwert für die NGO’s zu sein, ob sie mit Konzernen zusammenarbeiten sollen oder nicht…

    >> Die Kontroverse über den Wandel durch Annäherung ist nicht neu. Schon seit Mitte der neunziger Jahre trauen große NGOs den Politikern und Regierungen kaum mehr zu, dass sie auf offenen Weltmärkten der Macht der Wirtschaft noch mit Gesetzen trotzen können. Sie setzen sich lieber direkt mit Konzernen an einen Tisch. Der langjährige Chef des WWF in Kanada, Gerald Butts, formulierte das einmal ganz schön respektlos: „Wenn es um Nachhaltigkeit geht, ist Coca-Cola wichtiger als die Vereinten Nationen.“ <<

    http://www.zeit.de/2016/35/umweltschutz-grosskonzerne-zusammenarbeit-nachhaltigkeit (p. 4)

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