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Über wirkungsorientierte CSR mit André Martinuzzi

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13472417_10206960502951108_1795984068_nAnfang Mai besuchte uns André Martinuzzi  (WU, Institute for Managing Sustainability) zu einem Vortrag im „Radlager“, um über seine Forschung zum Konzept der wirkungsorientierten CSR zu sprechen

Am Beginn des Abends stand die Frage nach der Bedeutung von Corporate Social Responsibility. Prof Martinuzzi berichtete über den Ursprung der Debatte in den 1920/30er Jahren, als begonnen wurde, die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen zu hinterfragen. Das erst Ende des 20. Jahrhunderts entwickelte 3-Säulen-Modell repräsentiert wohl die meist verbreitete Ansicht über CSR, die Verbindung von ökonomischen, sozialen und ökologischen Gesichtspunkten im Unternehmen. Prof. Martinuzzi wies auch stark auf den Aspekt der „Freiwilligkeit“ hin, der im internationalen Diskurs oft als wichtiges Merkmal für CSR hervorgehoben wird und wurde. In den letzten Jahren würde aber eben gerade die wirkungsorientierte CSR von internationalen Organisationen und NGOs vorangetrieben, um zu vermeiden, dass die Sustainability-Bestrebungen als bloße PR-Maßnahmen oder Window-Dressing missbraucht werden.

Was ist die wirkungsorientierte CSR eigentlich?

Bei der wirkungsorienterten CSR geht man über die Messung von Aktivitäten, z.B. dem Spendenvolumen eines Unternehmens, hinaus, und untersucht stattdessen die mit den Leistungen/Aktivitäten erzielten Wirkungen sowie den gesellschaftlichen Wert. Im Vergleich zur freiwilligen CSR soll dieser Ansatz ins Unternehmen integriert werden, wie etwa durch neue Managementansätze und somit Einzug in die gesamte Wertschöpfungskette halten. Dadurch wird garantiert, dass CSR nicht nur punktuell, sonder mittel- bis langfristig verankert wird.

Unternehmen werden dadurch motiviert, sich mit den  Auswirkungen ihrer Aktivitäten stärker auseinanderzusetzen.

Der erste Schritt zur Wirkungsorientierung im Unternehmen ist dadurch charakterisiert, sich zuerst einmal über die Bereiche im Klaren zu werden, die die meiste Wirkung aufweisen. Anschließend werden die Wirkungsketten analysiert und geprüft, inwiefern das Unternehmen Einfluss auf diese Wirkungen nehmen kann. Zuletzt wird noch untersucht, inwiefern Daten verfügbar sind bzw. inwiefern Wirkungen messbar gemacht werden können. Da dieses Verfahren eine hohe Komplexität aufweist, ist es wichtig, diese gleich zu Beginn zu reduzieren. Eine Möglichkeit besteht etwa darin, sich ein bereits existierendes Einteilungsmodell, wie etwa die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen, als Hilfsmittel zu nehmen. Häufig ist es jedoch sehr schwer festzustellen, wann die Verantwortung des eigenen Unternehmens beginnt. So ist es etwa fraglich, inwiefern ein Einfluss auf die Sekundär- oder sogar Tertiärlieferanten genommen werden kann, da keine direkte Interaktion besteht.

Angesichts dieses enormen Aufwands, stellt sich die Frage nach dem Nutzen des betrieblichen Wirkungsmanagements. Prof. Martinuzzi nannte etwa das gesteigerte Bewusstsein des Unternehmens für sein Umfeld, die verbesserte Qualität in Bezug auf Strategie und organisatorische Lernfähigkeit, sowie den erhöhten Innovationsgrad, Aspekte, die langfristig zu Wettbewerbsvorteilen werden können. Durch das Wirkungsmanagement kann das Unternehmen zudem über Themen berichten, die wichtig für diverse Stakeholder sind und somit vermehrt Vertrauen aufbauen. Essentiell am Wirkungsmanagement ist vor allem, dass Unternehmen sich über die Bedeutung ihrer Entscheidungen bewusst werden, Schlüsse ziehen und dies in den betriebswirtschaftlichen Alltag und ihre Aktivitäten einbringen.

Doch nicht nur Unternehmen, auch die Politik kann durch Wirkungsmanagement ihre Methodik verbessern. So erstellt die Europäische Union seit einigen Jahren sogenannte „Roadmaps“, in denen Wege aufgezeigt und vorab Auswirkung jener Entscheidungen abgeschätzt werden.  Auch hier führt diese Ex-Ante-Betrachtung zu besser fundierten Entscheidungen und mehr Vertrauen seitens der Gesellschaft.

Die schon während des Vortrag aufkommende, angeregte Diskussion drehte sich neben dem Wirkungsmanagement schließlich auch um die Existenzbegründung von Corporate Social Responsibility im Allgemeinen und inwiefern jeder einzelne von uns etwas zu einer ethischen und nachhaltigen Wirtschaft beitragen kann.

 

von Marlene Gruber

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