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Was hat Feminismus mit Nachhaltigkeit zu tun? – 2. oikos Academia mit Alyssa Schneebaum zu feministischen Ökonomien

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Anhang 1Ob Gemeinwohl-Ökonomie, Postwachstumsökonomie oder Green Economics – wer sich mit Nachhaltigkeit beschäftigt, ist wohl schon einmal über ein alternatives Wirtschaftsmodell gestoßen, das versucht, mit dem Paradigma der Gewinnoptimierung zu brechen. Weniger wahrscheinlich hat man sich im Nachhaltigkeitskontext schon einmal mit feministischer Ökonomie beschäftigt, dabei versucht die etwas ziemlich Ähnliches: den Blick von der männlichen Perspektive des „Homo Oeconomicus“ abzuwenden und jene Perspektive ins Bild zu holen, die die klassische VWL seit jeher komplett igonriert hat: die weibliche.

Um diese weibliche Perspektive auf die Volkswirtschaft ging es beim zweiten oikos Academia mit Alyssa Schneebaum. Die Männerzentriertheit unserer aktuellen neoklassischen Wirtschaftslehre zeigt sich allein schon anhand des Systems des „Homo Oeconomicus“. Der Prototyp des Menschen wird mit Eigenschaften beschrieben, die typsicherweise Männern zugeordnet werden: selbstzentriert, nutzenorientiert, rational. Nicht nur wurden weibliche Haushalts- und Arbeitserfahrungen lange komplett von der Ökonomie vernachlässigt, das Frauenbild in der klassischen Ökonomie lässt sich laut der feministischen Ökonomin Michèle Pujol auch auf 5 sexistsische Annahmen reduzieren:

  • Alle Frauen sind verheiratet oder arbeiten darauf hin.
  • Alle Frauen haben Kinder oder werden bald Kinder haben.
  • Alle Frauen sind unproduktiv.
  • Alle Frauen sind irrational.
  • Und alle Frauen stehen in Abhängigkeit zu irgendeinem Mann.

Diese einseitige Perspektive ist nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass alle Ökonomen weiße Männer in einem bestimmten Alter waren. Laut der feministischen Wissenschaftskritikerin Sandra Harding muss Wissenschaft, um tatsächlich objektiv zu sein, von unterschiedlichen Forschern mit unterschiedlichsten Hintergründen betrieben werden.

Anhang 2Um einen besseren Eindruck von den Anwendungsgebieten der feministischen Ökonomie zu bekommen, haben wir uns beim oikos Academia näher mit der Care-Ökonomie, Gender & Entwicklung und Arbeitsmarktökonomie beschäftigt.

Bei Care-Tätigkeiten handelt es sich um Pflege- und Erziehungsarbeit. Diese wird klassischerweise schlecht oder unbezahlt, sowie unkontrolliert (weil im Privaten) verrichtet. Es ist eine Errungenschaft feministischer Ökonominnen, dass Care-Arbeit überhaupt als Arbeit gesehen wird. Man kämpft allerdings weiterhin mit der Schwierigkeit der Messbarkeit, sowie mit der kritischen Frage, ob Care-Tätigkeiten überhaupt vermarktbar sein sollen. Über beides entwickelte sich in der Runde sofort eine längere Diskussion.

Beim Thema Gender & Entwicklung geht es stark um Gender Budgeting und darum, wie öffentliches Geld verwendet wird. Ein Beispiel einer Errungenschaft von Gender Budgeting sind die Niederflurstraßenbahnen in Wien, die Menschen mit Kinderwägen den Einstieg erleichtern.

Unter Arbeitsmarktökonomie fallen jene Fragestellen, an die man wahrscheinlich am ehesten bei Feminismus denkt: Wer bekommt welche Ausbildung, in wen wird investiert, und welche Rolle spielt die Sozialisierung dabei? Und wenn man hier noch über Arbeitszeit und Arbeitszeitmodelle nachdenkt, ist man wieder bei klassischen Nachhaltigkeitsfragestellungen. Wie viel arbeiten wir? Wie viel konsumieren wir? Unter welchen Bedingungen wird diese Arbeit verrichtet? Bei der sozialen Seite der Nachhaltigkeit sollte die Geschlechterfrage ohnehin auch gestellt werden, und so kann wohl die feministische Ökonomie ein Teil der Nachhaltigkeitswissenschaften sein und umgekehrt. Zum Beispiel könnten Entwicklungen bezüglich Impact Assessment durchaus auch in der Bewertung von Pflegearbeit eine Rolle spielen.

Von Teresa Havlicek (oikos Alumna und Redakteurin für die Wienerin)

 

oikos Academia ist ein Eventformat für oikos Mitglieder und Alumni, bei dem ein Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin ihre Forschungsarbeit mit Nachhaltigkeitsbezug präsentiert und mit den oikees diskutiert.

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