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Die EU als Kreislaufwirtschaft?! Der 10. oikos Talk mit ARA-Vorstand Dr. Christoph Scharff

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ara2Zum 1. Geburtstag von oikos Talks im Dezember freuten wir uns besonders, dass wir den Vorstandssprecher der ARA (Altstoff Recycling Austria AG) Dr. Christoph Scharff als Gast begrüßen durften und so einige spannende Details und Hintergründe zum neuen Circular Economy Package der Europäischen Union erfahren konnten.

Circular Economy – eine Kreislauf- statt einer Wegwerfwirtschaft – ist ein wirklich spannendes und wichtiges Thema, dem wir uns schon beim CEE Meeting im Herbst 2015 (nachzulesen hier) gewidmet haben. Etwas, dass auch die Europäische Union mittlerweile erkannt hat und am 2. Dezember 2015 ein neues (das bisher zweite) Circular Economy Package veröffentlicht hat.

Eine dringende Notwendigkeit, wenn man sich ein paar Zahlen dazu ansieht: Jährlich importieren die EU-Mitgliedsstaaten gesamt rund 1,8 Mrd. Tonnen Rohstoffe und Produkte, es werden jedoch im Gegenzug nur ca. 600 Mio. Tonnen exportiert, d.h. es werden 3x mehr Güter in die EU importiert als exportiert – und zwar jedes Jahr! Doch wo bleiben diese? Ca. ein Drittel verlässt uns wieder (durch den Verbrauch wie bei Lebensmitteln und Benzin, als Abfall oder Abwasser). Die restlichen zwei Drittel sind jedoch in Gebrauch und akkumulieren sich von Jahr zu Jahr immer weiter. Der Grund dafür liegt in der Geologie, denn die Rohstoffvorkommen der Welt liegen woanders als der Verbrauch. (Wobei die EU eigentlich gar nicht so rohstoffarm ist, doch unsere Böden sind so versiegelt, dass man von den vorhanden Rohstoffen keinen Gebrauch mehr machen kann).

Um diesen Gap zwischen Vorkommen und Verbrauch zu schließen, gibt es unterschiedliche Strategien: Die Ökonomie und Diplomatie einerseits sowie die Technologie andererseits. Im Bereich der Technik gibt es wiederum drei Möglichkeiten: 1) effizienterer Umgang, sodass weniger Ressourcen benötigt werden, 2) Substitution der Ressourcen und 3) Recycling, also die Weiternutzung dessen, was schon da ist. Genau beim letzten Punkt – dem Recycling – setzt das Circular Economoy Package an!

Zwar gab es bereits 2014 einen ersten Versuch eines solchen Paketes mit dem ambitionierten Ziel, die Union in 15 Jahren zu einer „zero waste“ Kreislaufwirtschaft umzubauen, aber dennoch noch nicht vollständig ausgereift war. Es gab deshalb eine Petition der Umweltminister der EU, die zu „more ambition“ aufriefen, weshalb das Paket nochmals überarbeitet wurde.

ara1An dieser Stelle plauderte Dr. Scharff aus dem Nähkästchen und erzählte, dass er bei einer Veranstaltung den damaligen Generaldirektor für Umwelt der Europäischen Kommission Karl Falkenberg bei einem Glas Wein darauf ansprach, wie denn diese Überarbeitung aussehen sollte. Der wusste es jedoch auch nicht wirklich, weshalb Dr. Scharff die Initiative ergriff und eine Zusammenarbeit verschiedener Unis (er selbst ist u.a. Lektor an der TU, BOKU und Montanauni) in mehreren Ländern initiiert, die gemeinsam einen Vorschlag erarbeitet, was die Ziele des zweiten Circular Economy Packages sein sollten und wie diese auch tatsächlich erreicht werden können. Dieser Vorschlag wurde dann an Generaldirektor Falkenberg übermittelt und findet sich – so Dr. Scharff – teilweise tatsächlich wieder im neuen EU-Paket.

Dieses ist seiner Einschätzung nach wesentlich besser und umfassender als der erste Versuch der EU, da berücksichtigt wird, dass kommunale Abfälle mit rund einem Zehntel nur der kleinste Teil des Abfalls ausmachen (sofern man bei rd. 500 kg Hausmüll/Jahr/EU-Bürger von klein sprechen kann!), die wirklichen Potenziale aber ganz woanders liegen und zwar bei den Industrieabfällen. Der Begriff des Abfalls wurde im zweiten Circular Economy Package demnach wesentlich erweitert und das Paket wurde auch um einen Action Plan ergänzt, wie die EU in den nächsten Jahren tatsächlich zu einer Circular Economy werden kann. Auch Österreich wird davon betroffen sein, auch wenn wir als europaweite Nr. 2 im Abfalltrennen sind und z.B. bereits ca. 840.000 Tonnen Papier pro Jahr und 90% des Kunststoffabfalls recyceln.

In jedem Fall bleibt es spannend, ob und wie sich die EU tatsächlich in den nächsten Jahrn in eine Circular Economy wandeln wird!

 

Von Astrid

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