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Strom smart nutzen, Preisschwankungen reduzieren: oikos Talk mit Simon Schmitz von Awattar

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Wie sieht die Zukunft der Energieversorgung aus? Diese Frage war zentral beim letzten oikos Talk mit Simon Schmitz. Er ist ein Social Entrepreneur welcher vorderster Front für den Umstieg zu einer nachhaltigen Energieversorgung kämpft. Denn eines ist klar: Die Erderwärmung muss auf maximal 2° Celsius im Vergleich zum Beginn der industriellen Revolution begrenzt werden, um Folgen des Klimawandels kontrollieren zu können und letztendlich die Erde als Lebensraum für Menschen zu erhalten. Ein rascher Umstieg auf erneuerbare Energien ist dazu notwendig. Grundsätzlich gilt, je früher desto besser und auch desto kostengünstiger.Dies ist unter den aktuellen politischen Rahmenbedingungen ein herausforderndes Ziel. Die kurzfristige wirtschaftliche Entwicklung hat dort aktuell absolute Priorität, da Arbeitsplätze und Wohlstand im globalen Wettbewerb abzuwandern drohen. Neben der Politik gibt es jedoch auch Privatinitiativen, welche den notwendigen Druck aufbauen und Innovationen im Energiebereich durchsetzen.

Ein Social Entrepreneur verfolgt mit seinem Unternehmen eine soziale und/oder ökologische Mission. Im Gegensatz zu NGO’s soll in diesem Modell das Unternehmen möglichst selbstfinanziert sein. Damit ist es unabhängig von volatilem Spendenaufkommen. Nach der Gründung wird das Geschäftsmodell durch die Marktnähe zwangsläufig ausgiebig geprüft. Funktioniert es, kann das Unternehmen mit Hilfe von Fremdkapital leichter skaliert werden als NGO’s und in der Folge seinen potenziellen Impact vervielfachen.

Neben diesen Vorteilen ist die Entscheidung, ein Entrepreneur zu werden, jedoch ein großer Schritt, vor allem wenn man bereits in einer sicheren Anstellung ist. Simon Schmitz hat diesen Schritt gewagt. Nach seinem Studium war er unter anderem bei einem großen deutschen Energieversorger für die Strategieentwicklung für den englischen Markt zuständig, später auch auf Konzernebene. Während seiner Tätigkeit stand dabei der Umstieg auf erneuerbare Energien und die damit verbundenen Konsequenzen für die Branche im Fokus. Als jedoch nach dem folgenschweren AKW-Unfall in Fukushima die deutsche Regierung den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen hatte, änderte sich die Prioritätensetzung im Unternehmen schlagartig. Nachdem die Atomkraftwerke als Cashcows wegfallen würden, wurden zahlreiche Nachhaltigkeitsinitiativen eingefroren und eine länger dauernde Umstrukturierung des Unternehmens eingeleitet. Die Aussicht in den folgenden Jahren zu keinem entscheidenden Fortschritt zur Förderung von nachhaltiger Energieversorgung beitragen zu können lieferte letztendlich den ersten Anstoß für Simon Schmitz sich nach Alternativen umzusehen.

Entrepreneure zeichnet aus, dass sie Chancen in ihrer Umgebung besser wahrnehmen. Diese „Oppertunities“ ergeben sich oft durch eine Neukombination von bestehenden Ressourcen, welche bestehende Angebote maßgeblich verbessern und mittelfristig sogar ersetzen.

So hat etwa die jahrelange Förderung von Solaranlagen zu einem fundamentalen Wandel des Stromangebotes im Tagesverlauf geführt. Zur Mittagszeit erreicht die Stromnachfrage typischerweise eine Nachfragespitze. Dadurch waren früher die Strompreise zu dieser Tageszeit relativ hoch. Da jedoch die Sonnenstrahlung und damit die Stromproduktion von Solaranlagen zur Mittagszeit am höchsten ist, hat sich dieser Preiseffekt in den letzten Jahren umgekehrt. Da produzierter Strom verbraucht werden muss, um das Stromnetz nicht zu schädigen, ist zeitweise sogar ein negativer Preis zu beobachten. Davon profitieren unter anderem Betreiber von Speicherkraftwerken in Österreich.

Eine Möglichkeit Nachfrage und Angebot besser abzustimmen bieten Smart Meter (intelligente, vernetzte Stromzähler). Diese müssen per EU Verordnung bis 2020 annähernd flächendeckend installiert werden. Diese ermöglichen unter anderem eine zeitgenaue Abrechnung des Stromverbrauchs. Folglich könnten energieintensive Haushaltsgeräte zu Tageszeiten eingeschaltet werden, in welchen der Strompreis besonders niedrig ist.

Hier kommt Simon Schmitz‘ Start UP Awattar ins Spiel. Seine Vision ist es den Stromverbrauch mit der Natur in Einklang zu bringen. Awattar bietet er als erster in Österreich eine stundengenaue Abrechnung des Stromverbrauches an. Damit dies Sinn macht, kombiniert er den Tarif mit einem durch smarte Software gestützte Steuerungseinheit für Wärmepumpen. Nachdem Häuser Wärme über einen gewissen Zeitraum speichern können, werden die Wärmepumpen verstärkt dann betrieben, wenn der Strompreis niedrig ist. Doch das ist nur eine von mehreren potenziellen Anwendungsmöglichkeiten, an denen Awattar momentan arbeitet.

Der bereitgestellte Strom ist zu 100% zertifizierter Grünstrom aus Österreich. Leider funktioniert das aktuelle Zertifizierungssystem gesamtwirtschaftlich aufgrund fehlender Nachfrage nicht. Bei Kunden, welche kein besonderes Augenmerk auf Strom aus erneuerbaren Energiequellen legen, wird der Grünstromanteil reduziert um die Nachfrage bei umweltbewussten Kunden decken zu können. Die Kosten für die Zertifizierung machen nur 1% des Strompreises aus, sodass der angestrebte Ausbau von erneuerbarer Energieerzeugung nicht dadurch finanziert werden kann. Anders wirkt hier die Nachfrageerhöhung bei Produktionsspitzen zur Mittagszeit, wie sie von Simon Schmitz verfolgt wird. Dadurch erhöht sich der Marktpreis zu dieser Tageszeit. Davon profitieren vor allem Betreiber von Solarstromanlagen und es gibt einen Anreiz in mehr Kapazitäten zu investieren.

Besondere Achtsamkeit benötigt der Umgang mit den persönlichen Nutzungsdaten, welche durch Smart Meter leicht generiert werden können. Wie bei vielen anderen Innovationen (wie z.B. Facebook) könnten diese etwa für personalisierte Werbung oder gezielte Beeinflussung genutzt werden. Dazu fand eine kritische Diskussion in unserer Gesprächsrunde  statt.

Zusammenfassend kann der Talk als sehr spannend und interaktiv betrachtet werden. Die Teilnehmenden bekamen einen Einblick in eine der Branchen, welche sehr große Verantwortung für den Klimawandel tragen und welche sich in kommenden Jahren entscheidend wandeln müssen, um den Klimazielen gerecht zu werden. Des Weiteren bekamen wir einen Einblick in die Denkweise und das Berufsbild eines Social Entrepreneurs.

Von Harald

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