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Starökonom Joseph Stiglitz an der WU Wien

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20151130030351Was Wanda, Bilderbuch und Co bei echten Fans in der Musikszene auslösen, das schafft der internationale Starökonom Joseph Stiglitz bei Ökonomie Fans – am Sonntagnachmittag füllte sich das Audimax der WU Wien, um dem geladenen Gast zur Vorstellung seiner aktuellsten Bücher zu lauschen. Ich war dabei – trotz Hangover und starkem Müdigkeitsgefühl – aber so eine Gelegenheit lässt man sich als Ökonomie Fan und kritische/r Beobachter/in der weltweiten gesellschaftlichen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen nicht durch die Finger gehen, genauso wenig wie ein gratis Konzert eines deiner Lieblingsmusiker!

Joseph Stiglitz ist einer der weltweit bekanntesten Ökonomen. Der US-Amerikaner war Wirtschaftsberater der Clinton-Regierung, Chefsvolkswirt bei der Weltbank und wurde 2001 mit dem „Nobelpreis“ für Wirtschaft ausgezeichnet. Heute lehrt Stiglitz an der Columbia University in New York und ist ein weltweit geschätzter Experte im Bereich Ökonomie, Politik und Gesellschaft.  Aber wer denkt, Stiglitz ist ein langweiliger, alter Ökonom, der hat falsch gedacht – mit Witz, Charme, aber auch bewusster Dringlichkeit zum Thema „Ungleichheit“ stellte er seine neuesten Publikationen vor.

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Die Wirtschaftsuniversität konnte den Starökonomen für die Präsentation seiner aktuellen Bücher „The Great Divide“ und „Rewriting the Rules of the American Economy“ sowie einer anschließenden Diskussion mit Vertreter*innen des VW-Zentrum für Studierende, des Forschungsinstitut Economics of Inequality und der United Nations Industrial Development Organization (UNIDO)  für sich gewinnen.

Seine Bücher über Chancen und Risiken der Globalisierung inklusive Kritik an Tätigkeiten und Funktionieren von US Regierung, IWF und Weltbank habe ich schon vor einigen Jahren wissbegierig verschlungen. Diesmal widmet sich Stiglitz dem Thema „Ungleichheiten“.

Seine Analysen konzentrieren sich stark auf die US-Volkswirtschaft. Man würde die Vereinigten Staaten von Amerika hinsichtlich ungerechter Einkommensverteilungen und Chancenlosigkeit ja normalerweise nicht mit Entwicklungsländern gleichsetzen, oder? Stiglitz beobachtet und analysiert hier jedoch genau das. Und nennt einige schockierende Beispiele wie etwa, dass 8 Personen (aus zwei Familien) genau so viel Vermögen halten wie die untersten 44% der amerikanischen Bevölkerung. Stiglitz nennt noch weitere Beispiele und fasst unter anderem zusammen, in welchen Bereichen starke Ungerechtigkeit in den USA herrscht (Einkommensverteilung, Rechtsverteidigung, Bildungschancen, Entwicklungsmöglichkeiten, etc.).  Die Daten zeigen weiter, dass sich in den letzten Jahren das Einkommen der reichsten 1% deutlich erhöht hat. Die Bemühungen der Politik, die Wirtschaft insbesondere nach der Krise im Jahr 2008 anzukurbeln, erhöhten in der Tat das Vermögen in Amerika – aber zu 91% geschah dies am Bankkonto der eh schon superreichen 1% der amerikanischen Bevölkerung.

Er stellt vor allem die Regierungen an den Pranger und setzt gleichzeitig auch die Aussicht auf Lösung der Probleme in ihre Hand: Die Politik muss die Regeln „neu schreiben“.

In seinem aktuell20151130030357sten Buch „Re writing the Rules of American Economy“ stellt er diese genauer vor.
Stiglitz betont, und zeigt anhand von Daten und Modellen, dass es den regulierenden Staat/öffentliche Institutionen braucht, um sogenannte „Marktfehler“, die zu z.B. Informationsasymmetrien etc. und in Folge zu Ungerechtigkeiten in verschiedensten Bereichen führen, zu beheben. Und er zeigt auch, dass eine Volkswirtschaft geprägt von stark ungleicher Einkommensverteilung und geringen freien Entwicklungschancen der Wirtschaft nicht bekommt: Ungleichheit behindert Wachstum, führt zu weniger Chancengerechtigkeit und korrumpiert Justiz und Politik. Auch deswegen sollten wir die Schieflage in unseren Gesellschaften nicht einfach hinnehmen, fordert der Starökonom, sondern Wirtschaft und Politik wieder reformieren, sodass Wohlstand wieder gerechter wird.

Wachsende Ungleichheit ist kein Schicksal, sondern Folge politischer Entscheidungen, diese Überzeugung vertritt Joseph Stiglitz vehement. Deswegen fordert er eine Politik, die den Wohlstand endlich wieder gerechter verteilt. In seinem neuen Buch zeigt er uns, jenen 99 Prozent der Bevölkerung, denen die zunehmende Spaltung der Gesellschaft in Reich und Arm schadet, welche Risiken die wachsende Ungleichheit birgt und was wir gegen sie tun können.

Stiglitz‘ Bücher sind unter anderem im Management Book Store an der WU erhältlich.

Von Julia S.

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