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Unser persönlicher Beitrag zur Klimazerstörung – Gastbeitrag

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industry-80956_1280Viele von uns versuchen darauf zu achten, die Umwelt zu schonen, einige mehr, die anderen weniger. So wird in vielen Haushalten beispielsweise der Müll getrennt und recycelt, es wird darauf geachtet, wenig Essensreste wegzuschmeißen und das Licht sowie die Heizung laufen nur dann, wenn sie gebraucht werden. Das Auto wird stehen gelassen oder als Transportmittel völlig vermieden und stattdessen das Rad genutzt. Die Anreize hierfür sind nicht rein finanzieller Art, sondern, so die gutgläubige Ansicht der Autoren, die Wertschätzung der Natur und die altruistische Beachtung zukünftiger Generationen, die diesen Lebensraum Erde von den aktuell lebenden Menschen erben werden.

Aber wissen wir überhaupt wie stark welche Aktivität der Umwelt schadet? Gibt es zumindest eine Intuition, welche Tätigkeiten besonders stark ins Gewicht fallen? Verzichtet man nicht eigentlich nur auf die Dinge, die man eh entbehren kann und hebt dies dann als großen Beitrag für die Klimarettung hervor? Lohnt sich der Verzicht auf Fleisch aus Umweltgründen, wenn man gleichzeitig mit wenig Bedenken ein Flugzeug besteigt?

Wir selber planen gerade eine große Reise nach Peru. Ohne Zweifel ein großer Erfahrungsgewinn und eine Bereicherung für unser Leben. Trotzdem wollen wir sehen, wie sich diese Reise auf unsere CO2-Bilanz auswirkt und ob sich solche Reisen überhaupt mit dem Ziel der Nachhaltigkeit vertragen.

Um unsere CO2-Bilanz auszurechnen stützen wir uns auf den CO2-Rechner des deutschen Umweltbundesamtes: Hier könnt ihr selbst euren individuellen Kohlendioxid-Footprint berechnen lassen. Wir haben den Rechner einmal mit unseren Daten gefüttert und das Ergebnis seht ihr hier unten, im Vergleich mit dem deutschen Durchschnitt. (Der Rechner berücksichtigt auch andere Klimagase wie Methangas, in CO2-Äquivalente umgerechnet).

Der rechte Balken repräsentiert den Durchschnitts-CO2-Ausstoß eines Deutschen (Basisjahr 2007, für Österreich dürfte das ähnlich sein). Dies bedeutet, dass im Durchschnitt jährlich mehr als 10 Tonnen CO2 von einer Person verursacht werden.

Der linke Balken gibt an, was wir als Einzelperson durchschnittlich verbrauchen würden, wenn wir einen eigenen Haushalt hätten (unsere persönliche Bilanz noch ohne den Peru Flug).

Heizung und Strom

Verkehr inklusive Flugzeug, Auto, Öffentliche Verkehrsmittel

Ernährung

Sonstiger Konsum

Öffentliche Emissionen (hängen nicht von dem Verhalten des Einzelnen ab, sondern werden bei der Herstellung öffentlicher Güter erzeugt, die jeder von uns mitnutzt)

Die 2,5-Tonnen-Linie gibt an, was der nachhaltige Verbrauch wäre, welchen sich jeder Mensch erlauben könnte, ohne die Umwelt über deren Selbstregenerationskräfte hinaus zu belasten. Dies bedeutet, dass der Durchschnittsdeutsche vier mal mehr Treibhausgase ausstößt, als es der Planet verträgt.

Sparsam

Im Vergleich dazu haben wir die niedrigst möglichen Emissionen ausgerechnet (linke Säule), die wir als deutscher Bürger bei gleicher Lebensqualität haben können. D.h. bei gleichem Wohnraum, wenn wir bei der Beheizung auf ökologische Alternativen achten, wenn wir die effizientesten technischen Geräte nutzen, wenn wir im Alltag die gleiche Anzahl an Kilometern zurücklegen, jedoch mit ökologischen Fortbewegungsmitteln, auf lange Flugreisen verzichten und auch sonst sehr bewusst, regional und wenig konsumieren.

Es fällt auf: Das wirklich gerechte und nachhaltige Ziel von 2,5 Tonnen können wir auch so nicht erreichen. Dafür bräuchten wir fundamentale Einschnitte in unserem Konsumverhalten, d.h. beispielsweise ein Verzicht auf Bahnreisen, eine Beschränkung auf einen nur elementaren Konsum von Sachgütern und eine Verringerung der öffentlichen Dienstleistungen. Zumindest theoretisch denkbar ist aber auch, dass durch große Effizienzgewinne bei neuen Technologien der CO2-Ausstoß bei gleichbleibendem Konsum stark reduziert werden kann.

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Peru

Bisher haben wir im Bereich Verkehr nur einen Kurzstreckenflug innerhalb Europas eingegeben (das entspricht ungefähr unserem durchschnittlichen Jahresverbrauch). Nun wollen wir aber sehen, was passiert, wenn wir zusätzlich den Hin- und Rückflug nach Peru unternehmen. Das Resultat verändert sich dramatisch. Statt 1,1 Tonnen CO2-Ausstoß im Verkehrsbereich sind wir jetzt bei 8,37 Tonnen und damit in unserer Gesamtbilanz weit über dem Durchschnitt.

Der Peru-Flug alleine macht also schon 7,28 Tonnen CO2 aus. Mehr als unser kompletter sonstiger Verbrauch. Jährliche Fernreisen sind somit unmöglich mit Nachhaltigkeit zu vereinbaren.

Zum Vergleich noch ein anderer Wert: Würden wir uns in Zukunft vegetarisch ernähren, anstatt Mischkost zu uns zu nehmen, dann würde das pro Jahr ungefähr den gleichen Effekt auf unsere CO2-Bilanz haben, wie wenn wir auf einen Kurzstreckenflug innerhalb Europas verzichten würden (Hier wird immer ein Flug von Wien nach Brüssel als Vergleichswert benutzt, natürlich würde ein längerer Flug auch mehr Schaden verursachen).

Fazit:

Das Ziel eines nachhaltigen Lebensstils in unserer entwickelten, westlichen Wirtschaft ist nur sehr schwer oder gar unmöglich zu erreichen, möchte man sein Wohlstandsniveau nicht auf dramatische Weise senken. Besonders Fernreisen oder häufige Kurztrips mit dem Flugzeug schlagen beim individuellen Treibhausgasausstoß ins Gewicht. Diese gravierenden Klimasünden sind auch durch einen ansonsten umweltfreundlichen Lebensstil (sparsamer Konsum, vegane Ernährung, Wohngemeinschaften) unmöglich auszugleichen. Dennoch möchten wir alle Leser dazu ermuntern den eigenen CO2-Fussabdruck zu berechnen und sich somit bewusst zu machen, in welchen Gebieten die Hauptquellen des persönlichen Ausstoßes zu suchen sind.

Von Ivan Frankovic und Daniel Croner

Quellen:

Rechner

CO2 Bilanz des Bürgers

CO2 Emissionen Deutschland  pro Person

CO2 Emissionen pro Kopf weltweit

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