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Begrenzte Ressourcen – die Erde als Weltraumfahrzeug

Ein Kommentar

11281826_10153055074114457_1640424147_nStell dir vor, wir leben alle auf einem Raumschiff. Dieses hat eine bestimmte Menge Wasser und Lebensmittel geladen und das Belüftungssystem hat eine bestimmte Kapazität, die Luft in den vorhandenen Räumen zu filtern und mit Sauerstoff zu versorgen. Da würde vermutlich keiner daran denken, vier Mal am Tag zu duschen oder sich eine dicke Zigarre mit an Bord zu nehmen.

So in etwa hat Wolfgang Pekny seinen Workshop zum Thema Fußabdruck am 2. WU- Nachhaltigkeitstag begonnen. Er erklärt, dass die Oberfläche der Erde eine bestimmte Kapazität hat, um uns Menschen zu erhalten. Wenn man diese 149 Millionen km² Landfläche unseres Planeten dann noch gewichtet nach deren Fruchtbarkeit und Regenerationsfähigkeit und die daraus resultierende Kapazität auf alle Menschen gleichmäßig verteilt, ergibt sich pro Erdenbürger*in eine Fläche von 1,4 solcher Globalhektar (gha) pro Jahr, die er oder sie zum Leben nützen kann, wenn man auch anderen Lebewesen noch etwas Platz zugestehen möchte.

Hört sich eigentlich nach recht viel an, wo ist also unser Problem?
Der durchschnittliche europäische Mensch braucht derzeit etwa 5,0 gha, die Nordamerikaner*innen übertreffen uns da sogar noch mit einem „Platzverbrauch“ von 7,6 gha. Würden alle Menschen so leben wie wir, bräuchten wir etwa 3 Planeten von der gleichen Qualität der Erde. Im Gegensatz zu unserem Riesenfußabdruck braucht man in China derzeit (noch) nur 2,8 gha und in Indien sogar nur 0,9 gha pro Person pro Jahr. Wenn man sich die afrikanischen Länder ansieht, liegen diese sogar noch weit darunter.

Bittere Pille (again) wir leben über unsere Verhältnisse, als ob wir das nicht eh schon wissen. Da kam dann im Workshop unsere Denkaufgabe ins Spiel. Ziel war es, für uns zu bestimmen, wie wir im Rahmen unserer (fair aufgeteilten) Möglichkeiten gut leben können, ohne bloß zu überleben, das wär nämlich einfacher, aber sicher nicht so bequem.

Bittere Pille (again) wir leben über unsere Verhältnisse, als ob wir das nicht eh schon wissen. Da kam dann im Workshop unsere Denkaufgabe ins Spiel. Ziel war es, für uns zu bestimmen, wie wir im Rahmen unserer (fair aufgeteilten) Möglichkeiten gut leben können, ohne bloß zu überleben, das wär nämlich einfacher, aber sicher nicht so bequem.

Vorab hat Wolfgang Pekny also, um ein pädagogisch wertvolles Ergebnis zu erzielen, in dem sowohl Körper und Geist beschäftigt sind, ein solches 1,4 gha großes Feld in Miniaturform am Boden abgeklebt und ebenfalls in Verhältnis stehende „kleinere“ Quadratmeter (Spielsteine) vorbereitet.

Er erklärte, dass ein durchschnittlicher Mensch immer eine Basis an pflanzlicher Nahrung zu sich nimmt, für deren Anbau jedenfalls eine Fläche von 23 m² notwendig ist. Als wir die vorhandene Fläche mit 23 grünen Plättchen ausgelegt hatten, war schon viel voll. Da begann die Diskussion Fleisch und Milch – ja oder nein, wollen wir lieber Kaffee oder Bier? Das einzige, was für uns recht schnell klar war, war, dass wir auf abgepacktes Trinkwasser verzichten können, hört sich toll an, entspricht aber lediglich einer Einsparung von einem einzigen Spielstein. Im Vergleich dazu braucht man für eine wöchentliche Ration Fleisch pro Jahr schon 16 Spielsteine.

Der Grund für den hohen Platzbedarf beim Konsum tierischer Produkte liegt darin, dass die Tiere mit einer großen Menge pflanzlicher Produkte gefüttert werden, weshalb man für den Erhalt einer Kalorie aus tierischen Produkten 3-4 pflanzliche Kalorien benötigt. Dazu kommt dann noch der Schadstoffausstoß aus der Verdauung der Tiere.

Das gleiche Prozedere haben wir dann noch für den Faktor Wohnen (blaue Steine), Mobilität (rot) und Konsum (gelb) durchgespielt und da hat sich schnell gezeigt, dass 1,4 gha nicht wirklich viel und Abstriche vielfach notwendig sind.

Während eine Entscheidung im Bereich Wohnen und Energie verhältnismäßig leicht war – wir wohnen in Zukunft einfach alle in Gemeinschaften in Passivhäusern und verwenden Ökostrom – war es in Sachen Mobilität schon gar nicht mehr so einfach.

Rund 30 Prozent der gesamten Treibstoffemissionen werden durch den Verkehr verursacht und dabei in erster Linie durch den (privaten) Personenverkehr, also gar nicht so sehr durch die LKWs. Dazu kommen dann noch die Unmengen an Kerosin, die im Flugverkehr verbrannt werden. Aufgrund der Flughöhe greift dies noch wesentlich sensiblere Teile unserer Atmosphäre an und wirkt sich daher wesentlich stärker aus als der Schadstoffausstoß am Boden. Wenn man beispielsweise den Fußabdruck einer gleichweiten Bahn- und Flugstrecke vergleicht, ist der pro Kopfverbrauch im Flieger etwa 20-mal so hoch. So ein Fußabdruckpotential kann ein*e beherzte*r Fleischesser*in gar nicht erreichen, ohne ernste gesundheitliche Schäden davon zu tragen.

In Österreich kommen derzeit etwa 500 PKW auf 1000 Einwohner*innen, während es in China noch unter 60 und in Indien unter 20 Fahrzeuge pro 1000 Menschen sind. Jetzt können wir Industriestaaten aber schlecht anderen Teilen der Welt vorschreiben, dass sie nicht so handeln können wie wir, gleichzeitig wissen wir aber, dass eine Annäherung solcher Schwellenländer an unsere Verhältnisse ziemlich fatale Folgen für unseren Raumschiffplaneten hätte. Es braucht daher einen fairen Kompromiss, dieser läge bei 100 Fahrzeugen pro 1000 Personen, um die ökologischen Folgen in einem verträglichen Ausmaß zu halten. Das ist natürlich hart für uns, weil wir definitiv unsere KFZ-Intensität zurückschrauben müssen, aber gleichzeitig gibt man wachsenden Nationen die Möglichkeit, sich in dieser Richtung noch weiter zu entwickeln.

Abschließend hat uns Wolfgang Pekny dann die 5-F Regeln für einen gerechten Umgang mit unseren Ressourcen auf den Weg gegeben:

Fliegen – besser nie

Fleisch und tierische Produkte – deutlich weniger

Fahren mit dem Auto – so wenig wie möglich

Wohnen wie im Fass (klein aber fein) und was natürlich nicht fehlen darf

Freude an einem zukunftsfähigen Lebensstil, denn Zwang bringt selten ein umfassend gutes Ergebnis.

Wenn ich jetzt im Nachhinein so drüber nachdenke, finde ich Veränderungen in dieser Richtung eigentlich gar nicht so schlecht. Im Zug ist es wesentlich gemütlicher und produktiver, als wenn man Zeit im Auto totschlägt. Der Weg ist das Ziel, man kann endlich mal wieder so richtig Urlaub machen und sich darauf einstellen, ohne so schnell dort und wieder fort zu sein, dass man fast gar nicht gemerkt hat, wie schön die paar Tage wirklich waren J

Nähere Infos zum Fußabdruck gibt’s unter hier und hier.

Noch eine interessante Grafik:

Le Monde

Von Anna

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