oikos Vienna

students for sustainable economics and management

Wiener Mode sozial und öko – 5. oikos Talk

Hinterlasse einen Kommentar

Am Mittwoch haben wir uns die Frage gestellt ob es möglich ist nachhaltig und gleichzeitig modisch gekleidet zu sein. Im Rahmen eines interaktiven Talks zwischen dem Gastsprecher Gabriel Baradee, und interessierten Studierenden im Library Café WU konnte der Frage auf den Grund gegangen werden.

Laut Gabriel Bardee, Designer und Miteigentümer des Wiener Labels Shakkei, gibt es Anlass zu feiern, denn das eine schließt das andere nicht mehr aus.

Die Betonung liegt aber auf jeden Fall auf „nicht mehr“. Der Begriff Öko-Kleidung wurde lange Zeit in eine Schublade gesteckt, in die er heute aber nicht mehr recht passen will. Auch wenn der Ursprung in der Hippie Bewegung verwurzelt ist, können die heutigen Kund*innen und Nachfragenden nachhaltiger Kleidung nicht mehr mit den damaligen Trendsetter*innen über einen Kamm geschert werden.

Ähnlich wie die Kund*innen haben sich auch die Materialien und Schnitte geändert. Die typisch bunte, unförmige Hanfkleidung ist einem modischen alltags- als auch businesstauglichem Gut gewichen. Das freut nicht nur die Umwelt, sondern auch mein modisches Auge. Mit Schrecken und einem Schmunzeln denke ich dabei an meine Boku-Zeit zurück. Damals war Ökokleidung ein Synonym für unmögliche Farbkombinationen unterschiedlicher, ziemlich kratzig aussehender Kleidungsstücke gepaart mit klobigen, wiederum sehr bequem wirkenden Schuhen. Ökokleidung zu tragen war mehr als ein Fashionstatement. Oft wurde, nicht immer berechtigt, auch auf die politische Ausrichtung geschlossen. Verständlicherweise will man diesen Stempel nicht von Haus aus aufgedrückt bekommen. Die neue nachhaltige Modewelle nimmt der Ökokleidung ihr Stigma. Sie macht das tragen umweltverträglicher und sozial gerecht gefertigter Mode zu einem über die alternative Szene hinausgehenden Kundenkreis möglich.

Nachhaltige Mode wandelte sich vor ein paar Jahren vom Nischenmarkt in der Modeindustrie zu einem wachsenden Geschäft. Österreich gilt hier allerdings nicht als wegweisend mit seinen geschätzten 30 nachhaltigen Modelabels. Stattdessen sind vor allem große Labels wichtig, die den Schritt in Richtung Öko-Mode gewagt und eine nachhaltige Linie auf den Markt gebracht haben. Darunter zählen internationale Firmen wie H&M, Zara oder G-Star, die die Notwendigkeit und den Bedarf an nachhaltiger Mode erkannt und zum Teil eigene nachhaltige Kollektionen eingeführt bzw. Änderungen in den Produktionsschritten vorgenommen haben. Stimmen, die ihnen Greenwashing unterstellen, können nur bedingt zum Schweigen gebracht werden. Gabriel Baradees Sicht auf dieses Thema ist sehr diplomatisch. Um einen Unterschied auszumachen, müssen natürlich auch internationale Labels Nachhaltigkeit unterstützen. Andererseits ist nachhaltige Mode dabei, ein Zugpferd und Verkaufsargument zu werden. Dies zieht natürlich Kund*innen auf einem stark kompetitiven Markt zusätzlich an.

Rund um nachhaltige Kleidung stechen zwei Aspekte besonders hervor – die biologisch produzierten Materialien und der soziale Aspekt. Wobei letzteres im Bewusstsein der Kund*innen immer wichtiger wird. Wenige wollen Kleidung tragen, von denen sie wissen, dass Arbeiter und Arbeiterinnen, im schlimmsten Fall Kinder, dabei ausgebeutet wurden. Dies zu hören hat mich besonders gefreut. Zumal dies heißt, dass nicht nur ich mit dem eingenähten Zetterl „Made in China“ meine liebe Not habe.

Einkaufen wird wieder zum Erlebnis und weckt Neugier. Dabei wird Kundenservice und Qualität großgeschrieben. Dieses Konzept ist altbekannt, allerdings gibt es trotzdem Unterschiede, die den Reiz ausmachen. Einkaufen wird mit Bewusstseinsbildung und ewigem Lernen spielerisch verknüpft, Es ist doch interessant zu wissen, dass der neue Lieblingspulli aus dem nahen Burgenland stammt und die verwendeten Stoffe zusätzlich einem ein gutes Gewissen bescheren.

Bleibt nur mehr das Börserl, das es zu überzeugen gilt. Nachhaltige Kleidung hat natürlich auch ihren Preis. Bei Shakkei gibt es T-Shirts ab 30 €, Anzuge ab 490 sowie Blazer ab 290 €.

10613031_433685206756698_8952092590034598273_n

Kurzprofil des Modelabels

Shakkei, so heißt das 2009 gegründete Modelabel, welches seinen Hauptsitz in Wien hat. Der Name ist bereits ein Statement für sich und gründet sich auf die japanischen Lehre. Diese Definition erfasst den Sinn dahinter besonders schön:

It’s a way of expanding one’s horizons and one’s views without having to own, or be, something or someone else.

Bereits bei der Gründung hat sich Designer Gabriel Baradee auf nachhaltige Mode spezialisiert und dabei auf Ressourcenschonung und biologisch verträgliche Stoffe viel wert gelegt. Während Männermode früher noch ein kleiner Teilbereich war verglichen zu Frauenmode, nimmt dieser Teil heute ca. 70 Prozent ein. Als kleines, junges Label kann man aber leider nicht alle Segmente bedienen – ein Fokus musste gelegt werden. Dieser spiegelt sich auch in den Kollektionen wieder – zeitlose Eleganz mit japanischen Einflüsse ziehen vor allem Young Professionals und in der Arbeitswelt stehende Kund*innen an.

Shakkei-Kund*innen Fragen besonders nach der Herkunft der Produkte. Diese werden ausschließlich in Europa produziert. Supplier kommen unter anderem aus Wien, Burgenland, Deutschland, Italien sowie Bulgarien.

Neugierig gewordene können ab Herbst Shakkei’s neues Verkaufsatelier in der Burggasse 43 bewundern und natürlich mit gutem Gewissen shoppen.

Von Lisi

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s