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Umwelt(Verschmutzung) in Algerien – ein Blick über die Grenzen

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Algier Stadt

Pünktlich zur Beschlussfassung der EU-Minister*innen über die lang debattierten Pläne über das Verbot von Plastikbeuteln, trete ich meine Reise in ein Land an, das sieben Mal so groß ist wie Deutschland, rund 40 Mio. Einwohner*innen zählt und wo Umwelt- und Tierschutz noch eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Algier, Algeriens Hauptstadt, soll mein Ziel sein, um hier zwei Monate ein Volontariat am Außenwirtschaftscenter der WKO zu absolvieren.

Zurück zum „Plastiksackerl“: Während bei uns strenge Regeln zur Vermeidung von Plastikbeuteln beschlossen werden, gibt es in Algerien noch nicht einmal eine geregelte Abfallwirtschaft. Als ich mich hier bei meiner Mitbewohnerin erkundigte, wie denn der Müll zu trennen sei, lachte sie und meinte, Mülltrennung oder Recycling gäbe es in Algerien nicht. Das System ist simpel, der Müll wird gut verpackt in Plastiksäcken am Straßenrand deponiert. Die Müllabfuhr kommt einmal früh morgens und einmal spät abends, um die Müllsäcke einzusammeln. Der Müll wird dann in Form von Pressplatten auf LKWs aus der Stadt transportiert. Anzahl und Volumen der den Haushalten zur Verfügung gestellten Behälter sind oft für die Müllmenge nicht ausreichend. Besorgniserregend sind zudem die vielen wilden Deponien, von denen das algerische Umweltministerium spricht.

Green Corner

Wenn es auch keine zentral geregelte Mülltrennung und kein Recycling gibt, bemühen sich doch einzelne Personen oder kleine NGOs das Ganze ins Rollen zu bringen. So befindet sich bei meiner Unterkunft ein kleiner „Green Corner“, wo unter anderem Plastikflaschen zur Wiederverarbeitung gesammelt werden. Das Projekt wird von der Caritas geleitet und wurde mit Kindern im Rahmen der wöchentlichen Betreuungsnachmittage, die hier angeboten werden, gestaltet. Das ist natürlich schön zu sehen.

Weniger begeistert bin ich von den Einwegplastiktüten, die mir hier bei jedem Einkauf in die Hand gedrückt werden. Bei einem Einkauf kann man schon mal mit drei, vier oder mehr Plastikbeuteln aus den kleinen Kreislereien spazieren. Der Verbrauch ist enorm. An die sieben Milliarden Plastiktüten werden pro Jahr in Algerien konsumiert. Ich versuche es mit der Wiederverwendung der Sackerl. Bei dem einen oder anderen Einkauf wurde ich schon überrascht angeschaut, als ich meine mitgebrachte Mehrwegtasche hervorzauberte. Ich versuche also dem Verkäufer in der Kreislerei mit viel Freundlichkeit zu erklären, dass ich lieber keine Plastiktüten nehme, weil Plastik leider unserer Umwelt sehr schadet.

Ich glaube, dass sich die Leute hier darüber, was mit dem Plastik nach dessen Verwendung passiert, noch nicht wirklich Gedanken machen. Will man das Thema Verschmutzung ansprechen, kann es durchaus sein, dass sich die Menschen angegriffen fühlen. Die Gründe, dass für Umweltthemen noch kaum Bewusstsein vorhanden ist, können vielfältig sein: Ist es die Zeit des Terrors, die in Algerien noch nicht so lange zurück liegt? Erlebt man hier gerade einen Konsumaufschwung, den die Menschen genießen möchten? Oder ist es die Mentalität der Leute, dass nicht das Diesseits zählt, sondern das Leben im Jenseits von Bedeutung sein wird? Ein Großteil der Verantwortung liegt vor allem in den Händen der Politik. Öl und Gas sind stark subventioniert. Die Plastiktüten stehen im Handel gratis zur Verfügung. Auch merkt man die Preispolitik bei den Benzinpreisen. Für einen Liter Benzin bezahlt man in Algerien circa 20 Cent. Dementsprechend wenig Gedanken machen sich die Leute auch über den Spritverbrauch.

Aber auch wenn einen morgens Plastiktüten auf der Straße begrüßen und die Fassaden nicht weiß strahlen, ist die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen, die ich hier erlebe auf jeden Fall etwas Besonderes. Egal ob es der Nachbar, der Polizist, der Taxifahrer oder Obstverkäufer ist, man grüßt sich und fragt nach dem Wohlbefinden und das in einer Großstadt mit fast vier Millionen Einwohnern.

Von Viktoria

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