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Zeig mir deinen Mist und ich sag dir wer du bist – Besuch in der Müllverbrennungsanlage

Ein Kommentar

© oikos ViennaAb und zu, wenn man mal wieder am überlegen ist, was nun in den Restmüll gehört und was noch recycelt werden kann, stellt sich einem auch mal die Frage, was genau mit dem ganzen Müll passiert, wenn man ihn erstmal losgeworden ist. Naja, wir denken uns das zumindest immer mal wieder, insbesondere wenn wir die Papiertonne aufmachen und feststellen, dass einer der Nachbarn offenbar den Unterschied von Papier und Restmüll immer noch nicht begriffen hat.

Kurz vor Weihnachten hat sich die Möglichkeit ergeben, aus erster Hand, bei der MA 48 etwas über den Wiener Mist zu erfahren. Wir haben nicht schlecht gestaunt, wie viel sich bei einem Ausflug in die Abfallsortierungsanlage Rinterzelt im 22. Bezirk über unseren Müll herausfinden lässt und wie riesig die Maschinen sind, die dort zum Einsatz kommen. Im 90.000 qm großen Areal wird Gewerbe-, Industrie- und Sperrmüll der 18 Wiener Mistplätze und mobilen Sammlungen vorsortiert, sowie die Asche und Schlacke aus den Verbrennungsanlagen aufbereitet.

Erste Erkenntnis: Es wird verdammt viel Abfall in Wien produziert! 2011 sind nicht weniger als 9 Millionen Tonnen Müll zusammengekommen. Diese Zahl setzt sich zu einem wesentlichen Teil aus Restmüll (47%) zusammen, der in Wien ausnahmslos in die Müllverbrennungsanlage wandert. Da hier nur teilweise für bestimmte Verbrennungsanlagen vorsortiert wird, ist es wichtig, dass recyclebare Materialien nicht in die schwarze Tonne wandern. Sprich Metalldosen, TETRA-Pack, PET-Flaschen und HDM-Behälter (feste Plastikflaschen, die z.B. für Shampoos oder Cremedosen verwendet werden) sowie Glas gehören in die jeweiligen Recyclingcontainer, welche sich zumeist im unmittelbaren Umkreis der eigenen Wohnung finden lassen.

Grundsätzlich werden in Wiens Anlagen Ansätze der Müllvermeidung bzw. der Wiederverwertung verfolgt. Es wird aufgezeigt, was bereits die Nutzung von wiederverwertbaren Behältnissen und Einkäufe mit geringer Verpackungsdichte bewirken können. Insbesondere bei elektronischen Geräten gibt es den Versuch der Wiederverwendung. Hierbei werden beispielsweise bei Mistplätzen abgegebene Elektrogeräte nach Möglichkeit repariert und am 48er Basar (geöffnet Di-Sa) zu einem Unkostenbeitrag verkauft.

Des Weiteren werden die oben genannten bei Altstoffsammelplätzen gesammelten Stoffe, sortenrein weiterverkauft. Auch Metalle, die in der Verbrennungsanlage des Restmülls zurückbleiben, werden recycelt. Plastikflaschen (PET) werden maschinell und sortenrein in grüne, blaue und transparente Flaschen getrennt und an die aufbereitenden Unternehmen weiterverkauft.

Alles, was nicht wiederverwertet oder recycelt werden kann, wird in den Müllverbrennungsanlagen der Stadt Wien verbrannt und die daraus entstandene Energie in das Fernwärmenetz der Stadt eingespeist. Die bei der Verbrennung zurückbleibende Asche und Schlacke wird kontrolliert, gefiltert und auf der Deponie in Rinterzelt, mit Zement fixiert, endgelagert.

Neben Restmüll entsorgen wir Wiener*innen noch Sperrmüll (12%), Altstoffe (22%), Problemstoffe davon Batterien (1%), inerte Abfälle (z.B. Mauerwerk, Beton, 7%), sowie organische Abfälle (11%).

Biologisch abbaubar?

Bei der Nennung der organischen Abfälle denkt man sich zunächst, diese würden ausschließlich kompostiert werden. Da wir in Wien jedoch nicht so gut differenzieren können zwischen kompostierfähigem Material, das in einem guten Biokompost verarbeitet werden kann und dem nicht kompostierfähigen Material sogenannter biologisch abbaubarer Einkaufs- oder Biomüllsackerl (die übrigens nicht für die Freiluftkompostierung geeignet sind), werden die Abfälle aus der Biotonne größtenteils für die Biogasanlage genutzt.

Das wirft wiederum die Frage auf, was genau eigentlich in dem Kompost zu finden ist, den man sich an allen Mistplätzen in Wien gratis (Behältnis mitbringen!) abholen kann…

Da es sich bei der Kompostierungsweise der MA 48 um eine offene „Freiland“-Kompostierung handelt, werden hier nur biologische Komponenten verwendet. „Biologisch abbaubare“ Sackerl gehören da jedenfalls nicht hinzu. Dafür werden in erster Linie der Biomüll aus den äußeren Bezirken, sowie die Pflanzenreste aus den Wiener Gärten verwendet. Rasenschnitt und Laub von Rasenflächen an großen Straßen werden aufgrund der hohen Schadstoffbelastung jedoch nicht kompostiert, sondern zum Düngen an eben solchen Rasenstücken verwendet, die einer hohen Verkehrsbelastung ausgesetzt sind, oder in der Biogasanlage verwertet. Das in der Biogasanlage erzeugte Gas besteht zu 40-70% aus Methan, welches zur Wärmeerzeugung verwendet wird.

Endlagerung

Aus der Verbrennung der jährlich bis zu 780 000 Tonnen Rest- und Sperrmüll, entstehen rund 200.000 Tonnen Asche und Schlacke. Die darin gebundenen Schwermetalle, die nicht zur Wiederverwertung verkauft werden können, werden in einer alten Salzmiene in Deutschland endgelagert. Hierfür besteht ein 15 Jahre andauerndes Eigentumsrecht der MA 48, um eine Wiederinbesitznahme der deponierten Stoffe gewährleisten zu können, sobald eine Extraktion der wertvollen Stoffe rentabel geworden ist.

Ein spannender Vormittag, für uns jedenfalls, wobei uns wieder einmal deutlich vor Augen gehalten wurde, wie wichtig es ist, unnützen Müll zu vermeiden und ansonsten, zumindest zu versuchen auf Produkte zurückzugreifen, die aus recycelbaren Verpackungen bestehen.

Für Stoffe, die nicht an den fixen Sammelplätzen entsorgt werden können, sind auch regelmäßig mobile Sammelstellen unterwegs. Die jeweiligen Termine und Standorte der jeweiligen Bezirke können den Infoflyern, die per Post zu jedem nachhause geschickt werden, entnommen werden oder auch im Internet abgerufen werden. Da hat man dann auch die Chance, Problemstoffe wie Batterien, Altöl, elektrische Geräte und ähnliches bequem abzugeben, ohne extra zu den Mistplätzen fahren zu müssen.

Von Anna & Samantha

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Ein Kommentar zu “Zeig mir deinen Mist und ich sag dir wer du bist – Besuch in der Müllverbrennungsanlage

  1. Cool! Sieht echt toll aus! Wäre gerne dabei gewesen! Und ihr habt euch ja super viele Infos gemerkt! 🙂

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