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Und wie groß ist euer Fußabdruck?

2 Kommentare

Fussabdruck

Würde es nur nach meiner Schuhgröße gehen (Gr. 39), dann wäre mein Fußabdruck wohl recht durchschnittlich groß, doch natürlich ist mit der Frage oben nicht der tatsächliche Fußabdruck gemeint, sondern der sogenannte „ökologische Fußabdruck“, den jeder von uns hinterlässt. Den Begriff haben wir wahrscheinlich schon einmal gehört, doch was steckt wirklich dahinter?

Der ökologische Fußabdruck drückt das Maß unserer Ressourcennutzung aus, also wie viel biologisch produktive Fläche wir benötigen, um unseren Lebensstil zu „finanzieren“. Dies umfasst nicht nur die Flächen, die benötigt werden, um Nahrung und sonstige Konsumgüter herzustellen, sondern auch Gebäude und Straßen sowie die Flächen, die zum Abbau bzw. Entsorgung von CO2 und Abfälle benötigt werden. (Mehr dazu z.B. im aktuellen Living Planet Report des WWF oder unter footprint.at)

Je nach Lebensstil benötigt jeder Mensch eine mehr oder weniger große Fläche, den sogenannten ökologischen Fußabdruck, der in „global hectar“ (gha) gemessen wird. 1 gha = 1 ha durchschnittlicher biologischer Produktivität weltweit (so können verschiedene Länder oder Gebiete weltweit verglichen werden).

Der Idealwert für jeden Menschen sollte bei 1,7 gha liegen (alle produktiven Fläche der Erde / Anzahl der Menschen). Der tatsächliche Wert schwankt jedoch stark je nach Lebensstil. Während eine Person, die in einem Entwicklungsland lebt, deutlich weniger gha benötigt, liegt der durchschnittliche Bewohner eines Industrielandes deutlich darüber.

Rechnet man den aktuellen Bedarf der gesamten Weltbevölkerung, kommt man zu dem Ergebnis, dass wir global gesehen momentan eigentlich gut 1,5 Planeten benötigen würden, um unseren derzeitigen Lebensstil zu erhalten, Tendenz steigend. Der durchschnittliche Österreicher würde sogar 3 Planeten brauchen!

Jedenfalls sollte ich vor ein paar Wochen im Rahmen einer Lehrveranstaltung (Anm.: ich studiere Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement an der FH Krems)  meinen persönlichen ökologischen Fußabdruck mithilfe des Footprint-Rechners berechnen.

Auf der Seite wird der österreichische Durchschnitt mit 5,31 gha angegeben. Sowieso weit entfernt von den idealen 1,7 gha, aber vor der Berechnung war ich eigentlich noch ganz positiv gestimmt, dass ich zumindest unter den 5,31 gha liegen werde. Immerhin bin ich Vegetarierin, fahr immer brav mit den Öffis und habe kein eigenes Auto, wohne in einer WG und habe meinen Konsum in den letzten Jahren deutlich eingeschränkt.

Was soll ich sagen? Das Ergebnis war ernüchternd oder vielmehr erschütternd! Zwar habe ich bei Konsum, Wohnen und vor allem Ernährung tatsächlich ganz gut abgeschnitten, allerdings war mein Mobilitätsergebnis katastrophal. Hauptgrund dafür meine Langstreckenflugstunden, ich war nämlich dieses Jahr in Neuseeland und Australien. Eine tolle Reise, aber leider ganz, ganz schlecht für meinen ökologischen Fußabdruck (ohne die Flüge wäre ich nämlich bei nur knapp 4 gha)! Zwar war mir vor der Berechnung schon klar, dass Fliegen nicht super-duper für den ökologischen Fußabdruck ist, aber WIE schlecht es wirklich ist, war mir nicht bewusst und hat mich wirklich zum Nachdenken angeregt, wie ich meinen Fußabdruck weiter senken kann.

Am leichtesten geht dies übrigens laut Wolfang Pekny (österreichischer Aktivist, 20 Jahre lang Chef von Greenpeace Österreich, Gründer der Footprint-Plattform, Mitentwickler des österreichischen Fußabdruckrechners und Gastvortragender in der erwähnten Vorlesung) mit der sogenannten „Fünf-F Regel“:

  • Flugzeuge: besser nie!
  • Fahren mit dem Auto, weniger! langsamer, nie alleine. Mit Sonnenstrom!
  • Fleisch und tierische Produkte reduzieren, lokale und jahreszeitengerechte Produkte bevorzugen, so viel wie möglich aus Bio-Landbau,
  • Wohnen wie im Fass: gut isoliert, kleiner / teilen, in Wohngemeinschaften, erneuerbare Energie, kein Standby, öffentlich erreichbar
  • Freude an einem guten Leben. Leichtes Leben auf leichtem Fuß

Hört sich gut an, oder? Aber ich will jetzt ehrlich sein: Ich will in Zukunft nicht ganz aufs Fliegen verzichten, da Reisen meine große Leidenschaft ist, aber ich werde mir bei meiner nächsten innereuropäischen Reisen schon zwei Mal überlegen, ob die Bahn nicht eine Alternative zum Flug ist. Und auch sonst werde ich versuchen, meine Ess- und Konsumgewohnheiten zu optimieren, um meinen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, sodass ich vielleicht irgendwann wirklich innerhalb „meiner“  gha leben kann…

Fußabdruck2

von Astrid

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2 Kommentare zu “Und wie groß ist euer Fußabdruck?

  1. bei mir war das ähnlich. hab mir einmal ausgerechnet wieviele Erden mein lebensstil braucht und dachte mir auch ich bin da sicher toll unterwegs als dauerradfahrer, wgbewohner und sparheizer.. denkste :/ bis zu einem gewissen grad hat man glaub ich in industrieländern schon einen basisfußabdruck einfach weil man hier lebt und eine gewisse infrastruktur nutzt und einen gewissen lebensstil pflegt.

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  2. Ja stimmt! Als Österreicher hat man durch Infrastruktur, Gesundheitssystem etc. die 1,7 gha bereits verbraucht, sobald man geboren wird…Daran kann man eher schwer etwas ändern, aber persönlich gibt’s immer Verbesserungspotential 🙂

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